Die Landkreis-Bürger sind beim Ehrenamt spitze

 - Bayerische Sozialministerin Haderthauer gratulierte Ehrenamtlichen bei Empfang im Frauenauer Glasmuseum, Foto: Landratsamt Regen
1850 Ehrenamtskarten verteilte der Landkreis Regen in einem dreiviertel Jahr – Bayerische Sozialministerin Haderthauer gratulierte Ehrenamtlichen bei Empfang im Frauenauer Glasmuseum 

Frauenau. „Ehrenamtliches Engagement kann die Politik nicht verordnen, sie kann nur die Bedingungen dafür schaffen und sich vor den Leuten, die sich in ihrer Freizeit unentgeltlich einbringen, verneigen“, betonte die Bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer am Mittwochabend im Glasmuseum in Frauenau. Im Landkreis Regen ist die Bereitschaft der Bürger, etwas für andere zu tun, groß: 145 Ehrenamtskarten in Gold und Blau überreichten Christine Haderthauer und Landrat Michael Adam als Dankeschön, seit November letzten Jahres bekamen 1850 Männer und Frauen bei Festabenden des Landkreises die Ehrenamtskarten – so viel wie in keinem anderen bayerischen Landkreis in so kurzer Zeit.

Die neuen Inhaber der Ehrenamtskarten arbeiten beim Roten Kreuz, der Feuerwehr oder der Wasserwacht, in Sport- und Heimatvereinen, als Senioren-, Jugend- oder Behindertenbeauftrage von Gemeinden und in anderen Bereichen. Sie investieren Zeit für andere, stecken Mühe und Herzblut in ihr Engagement – und das seit Jahren oder gar Jahrzehnten. „Für Ihre Tätigkeiten gibt es keine Arbeitsplatzbeschreibung. Sie erfinden Ihre Aufgaben selbst, bringen Ihre individuellen Stärken ein, erfüllen sie durch Ihre Persönlichkeit mit Leben“, verdeutlichte die Bayerische Sozialministerin. Es sei leicht, gegen die Straße vor dem eigenen Gartenzaun zu wettern, aber schwerer, sich für andere zu engagieren. Das Ehrenamt sei eine innere Haltung. „Sie haben die Entscheidung getroffen, ein Stück mehr für das Gemeinwohl zu tun“, lobte sie die Ehrenamtlichen. Für Christine Haderthauer ist es Aufgabe der Politiker, Barrieren, die den Ehrenamtlichen das Leben schwer machen, zur Seite zu räumen und sie durch Versicherungen, Übungsleiterpauschalen oder eben die Ehrenamtskarte zu unterstützen. „Die Politik kann Strukturen vorgeben, wie ein schwarz-weißes Raster. Farbe bringen die Leute ins Bild. Menschen wie Ihnen haben wir die hohe Lebensqualität in Bayern zu verdanken“, betonte die Ministerin in ihrer Festrede.

3,8 Millionen Bayern sind ehrenamtlich aktiv. Im ländlichen Raum engagiert sich laut Haderthauer jeder zweite Bürger, in der Stadt jeder dritte. 60 Städte und Landkreise haben die Ehrenamtskarte eingeführt, mit der die Ehrenamtlichen Vergünstigungen in Geschäften, Betrieben oder Freizeiteinrichtungen vor Ort, aber auch in Museen, Schlössern und Co in ganz Bayern bekommen. 35 000 Ehrenamtler im Freistaat nutzen bisher die Ehrenamtskarte. „Bei uns engagieren sich im Vergleich mit anderen Bundesländern die meisten Leute im Beruf, in der Familie und im Ehrenamt. Eigentlich müsste der Tag in Bayern 48 Stunden haben“, meinte die Bayerische Sozialministerin. Sie ist zuversichtlich, dass es der Landkreis Regen schaffen könnte, Landrat Adams Ziel zu erreichen und der Landkreis mit den meisten Ehrenamtskarten zu werden. Lob hatte die Ministerin auch für Adam selbst: „Sie haben mich menschlich, fachlich und persönlich überzeugt, obwohl Sie bei der falschen Partei sind.“

Landrat Michael Adam machte klar, dass der Landkreis mit der Ehrenamtskarte zwar später, aber umso intensiver startete. „Wir sind der Landkreis mit den meisten Karten in kürzester Zeit“, freute sich Adam, der die Karte seit November 2012 schon an 1850 Ehrenamtliche übergab. Deshalb lud er dieses Mal die Bayerische Staatsministerin zur Feier ein. „Die kommt nie“, habe Adam gedacht. „Die kommt doch“, konterte Haderthauer zur Erheiterung der Gäste. Klar stellte der Landrat, dass der Termin der Verleihung nichts mit Wahlkampf zu tun habe. „Als Sozialdemokrat bin ich vor der Wahl nicht verdächtig zwei Schwarze einzuladen“, meinte Michael Adam. Christine Haderthauer ist bei der CSU, genau wie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, der ebenfalls ins Glasmuseum kam. Die Nachfrage der Ehrenamtlichen ist im Landkreis so groß, dass es zwei – und heuer sogar drei – Termine gibt, an denen die Bayerische Ehrenamtskarte verliehen wird.

Michael Adam gab offen zu, dass die Einführung der Karte im Landkreis nicht einfach und mögliche „Zuckerl“ für die Ehrenamtlichen wie verbilligte Ticktes für Schifferlfahrten, die im Bayerischen Wald eher selten seien, umstritten gewesen seien. „Am Anfang wurde die Karte von vielen nicht ernst genommen“, erklärte der Landrat. Mittlerweile sei die Resonanz aber enorm, hunderte Ehrenamtliche reichten Anträge beim Landkreis ein.  „Sie wird uns aus der Hand gerissen, das Projekt ist großartig“, verdeutlichte Michael Adam. Einig war man sich im Landkreis, dass die Karte den Leuten einen echten Mehrwert bringen müsse. „Wir wollten nicht nur Klimperl-Klamperl, sondern Vergünstigungen, von denen unsere Ehrenamtlichen etwas haben.“ Viel zum Erfolg der Karte trug Doris Werner vom Landratsamt bei: Sie kümmerte sich um die Ehrenamtlichen und ihre Anträge, organisierte die Festabende an besonderen Orten im Landkreis, gewann zig Firmen und Freizeiteinrichtungen aus der Region als Akzeptanzpartner. „Sie hat die Karte mit Leben erfüllt“, lobte Michael Adam und überreichte Doris Werner einen Blumenstrauß. Zahlreiche Ehrengäste zollten den 145 Ehrenamtlichen aus  15 Gemeinden und Städten Respekt: Juliane Freund, Projektmanagerin für die Einführung der Ehrenamtskarte beim Bayerischen Sozialministerium, war ebenso in Frauenau zu Gast wie MdL Alexander Muthmann, die stellvertretenden Landräte Willi Killinger und Heinrich Schmidt sowie die Bürgermeister oder Stellvertreter aller Gemeinden, aus denen Ehrenamtliche geehrt wurden.

Frauenaus Bürgermeister Herbert Schreiner dankte den Ehrenamtlichen im Namen aller Landkreis-Bürgermeister. „Wir sind froh, dass wir Sie haben, Sie machen das Rückgrat unserer Gesellschaft aus und bewegen etwas in Ihren Gemeinden.“ Die Zwieseler Stammtischmusi gestaltete die Feier musikalisch, die Ehrenamtlichen freuten sich bei einer Verlosung über Überraschungspreise wie Candle-Light-Dinner, Blumenstöcke, Fußbälle und mehr, die heimische Firmen gestiftet hatten. Mit einem gemeinsamen Imbiss, um den sich die Mitarbeiter des Landratsamtes ebenso kümmerten wie um die Blumendekoration im Glasmuseum, klang der Abend aus.

 

 

Meldung vom: 29.03.2017