Bombenfund als Ernstfallprobe

Katastrophenschutz im Landkreis Regen probt den Ernstfall unter realistischen Bedingungen

Sie haben vor Ort in Viechtach den Einsatz geprobt. Mit dabei waren die vier ÖEL des Landkreis Regen, Mitglieder der Kreisbrandinspektion Regen, Mitglieder des BRK Kreisverband Regen mit Sanitätseinsatzleitung und Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung, die Unterstützungsgruppe des Örtlichen Einsatzleiter, Mitglieder der Feuerwehr Viechtach, Vertreter der Polizei Viechtach, die Krankenhauseinsatzleitung der Arberlandklink Viechtach und Mitglieder des THW Regen. Foto: Martin Alt / FFW Viechtach

Viechtach/Regen. Einsatzkräfte und Behörden im Landkreis Regen haben bei einer unangekündigten Großübung den Fund einer Bombe zwischen der Arberlandklinik und dem Gesundheitszentrum an der Arberlandklinik simuliert. Ziel war es, die Zusammenarbeit der beteiligten Stellen sowie die Evakuierung der Klinik und umliegender Gebäude zu erproben. Kreisbrandrat Hermann Keilhofer entwickelte das Übungsszenario. Nach der Erstmeldung löste Landrat Dr. Ronny Raith im Rahmen der Übung Katastrophenalarm aus.

Im Landratsamt Regen trat die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FÜGK) unter der Leitung der Juristin Christin Kelly zusammen. Im Feuerwehrhaus Viechtach richteten die Verantwortlichen die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) ein. Christian Aulinger leitete sie zunächst, später übernahm Marco Dietl. In der Arberlandklinik bereitete die Krankenhauseinsatzleitung die Evakuierung vor. An der Übung beteiligten sich das das Bayerische Rote Kreuz (BRK), die Kreisbrandinspektion Regen, die Freiwillige Feuerwehr Viechtach, das Technische Hilfswerk (THW), die Polizei und die Arberlandkliniken. Auch die Integrierte Leitstelle Straubing, die Regierung von Niederbayern (SG 10) und die Stadt Viechtach wirkten mit.

Das Szenario brachte verschiedene Herausforderungen mit. 138 Patienten sollten verlegt oder entlassen werden. Mehr als 200 Mitarbeiter der Arberlandkliniken sollten nicht nur aus dem Gefahrenbereich gebracht werden, die Pflegekräfte sollten sich bis zur Verlegung weiter um Patienten kümmern. Zudem sollten alle Gebäude im 300 Meter Umkreis geräumt werden. Insgesamt hätten rund 930 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. Zu den Betroffenen gehörte auch ein Seniorenheim. Für die Anlieger wurden die Stadthalle und die Realschulturnhalle als Notquartier eingerichtet.

Die ÖEL koordinierte die Maßnahmen vor Ort. Die FÜGK legte im Landratsamt die Rahmenbedingungen fest und erließ die erforderlichen Anordnungen. Als administrative Führungsebene im Hintergrund steuert und bündelt sie alle übergeordneten Maßnahmen wie die Anforderung externer Hilfe sowie die Information der Bevölkerung. Während die Einsatzkräfte in Viechtach die Evakuierung der Klinik und der umliegenden Gebäude vorbereiteten, organisierte die Führungsgruppe Material und die Versorgung der Einsatzkräfte. Dabei wurde nicht nur am Schreibtisch geplant, es wurde beispielsweise bei örtlichen Baustoffmärkten und -händlern nach Kies und Bigpacks gefragt, selbst Pressemitteilungen wurden tatsächlich geschrieben. „Regelmäßiges Üben schult uns alle und hilft, im Ernstfall Entscheidungen zu treffen“, sagte Kelly. Auch der Schichtwechsel gehörte zum Szenario. Zur Mittagszeit löste eine zweite Schicht die ersten Einsatzkräfte ab. Am Nachmittag endete die Übung. Feuerwehr und Polizei in Viechtach waren zudem gefordert, dem angeforderten Kampfmittelräumdienst alle notwendigen Informationen mitzuteilen. Dazu gehörten auch Bilder von der Bombe und dem Fundort. Anhand der Bilder wurde die Bombe identifiziert und die Gefahr beurteilt. Danach richtete sich wiederum die Evakuierungsanordnung die die FÜGK mit dem Landratsamt auf den Weg brachte.

Bei der Abschlussbesprechung erklärte Keilhofer, dass Übungen in einem Krankenhaus besondere Anforderungen stellten. Der Betrieb in Klinik und Gesundheitszentrum sollte währenddessen weiterlaufen. Nach seinen Angaben gelang dies ohne größere Beeinträchtigungen. Landrat Raith besuchte während der Übung alle Einsatzorte. Er hob die Ernsthaftigkeit hervor, mit der die Beteiligten das Szenario bearbeiteten. Keilhofer dankte den Einsatzkräften und den beiden Örtlichen Einsatzleitern Christian Aulinger und Marco Dietl.

„Kleinigkeiten passieren immer“, betonte Keilhofer, auch Landrat Raith bekräftigte: „Übungen sind dazu da, um Lerneffekte zu erzielen.“ Die Beteiligten stellten bei der Auswertung vor allem Verbesserungsbedarf bei analogen Arbeitsabläufen fest. Teile der digitalen Technik, darunter das E-Mail-Programm, fielen während der Übung zeitweise oder vollständig aus. Die Einsatzkräfte dokumentierten deshalb Vorgänge auf Papier und trafen Entscheidungen anhand schriftlicher Unterlagen. „Analog ist die letzte Rückfallebene“, sagte Keilhofer. Künftig wollen die Verantwortlichen solche Ausfallszenarien häufiger trainieren. Außerdem soll sich der Austausch zwischen ÖEL und FÜGK verbessern. So werde es bereits Anfang kommenden Jahres ein Treffen der Stäbe in Viechtach geben. Dadurch sollen alle Beteiligten mehr über die Aufgaben der anderen erfahren. Am Ende des Treffens kündigten Kreisbrandrat Keilhofer und Landrat Raith weitere Übungen an.

Hintergrund
Geübt wurde der Fund einer 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe. Im Einsatz waren rund 150 Personen, darunter Mitglieder der Örtlichen Einsatzleitung, der Freiwilligen Feuerwehr Viechtach, der Kreisbrandinspektion Regen, des Bayerischen Roten Kreuzes, der Führungsgruppe Katastrophenschutz, des THW, der Alarm- und Einsatzleitung der Arberlandkliniken, des Technischen Hilfswerk, der Polizei, der Stadt Viechtach und der Integrierten Leitstelle Straubing.

Meldung vom: 27.10.2026