Bürokratie und Nachfolge: Sorgen eines Unternehmens

Landrat Dr. Ronny Raith besuchte Verano Watersports am Triefenrieder Bahnhof

Landrat Dr. Ronny Raith (li.), Regens Bürgermeister Andreas Kroner (4.v.li.) und Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger ließen sich von Karl Fischer (2.v.li.) und Robert Sommer ihre Firma Verano Watersports in Triefenried Bahnhof zeigen. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Triefenried Bahnhof. „Es ist keine einfache Zeit, aber ich sorge mich nicht um uns oder den Betrieb“, begrüßte Firmeninhaber Robert Sommer zusammen mit Miteigentümer Karl Fischer Regens Landrat Dr. Ronny Raith, Bürgermeister Andreas Kroner und Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger. Raith wollte sich bei seiner Betriebsbesichtigung ein Bild vom Unternehmen machen. Dabei fiel ihm das Arberland-Premium-Schild im Büro der Eigentümer auf: „Schön, dass ihr beim regionalen Qualitätssiegel mitmacht und es prominent zeigt.“

Fischer und Sommer: Seit 36 Jahren ein Team
Raith interessierte sich für die Firmengeschichte. „Uns gibt es seit 36 Jahren. 1990 haben wir die Mega-Sports Vertriebs GmbH gegründet“, erinnerte sich Sommer und erklärte die Aufgabenverteilung: „Karl ist der Techniker, der Ingenieur, der für alle Probleme eine Lösung findet. Ich bin der Kaufmann.“ Als sie mit dem Verkauf und der Produktion von Kajaks, Kanus und Paddeln begannen, gab es in Deutschland über 120 Kajakhändler. „Heute gibt es nur noch fünf“, berichtete Sommer. Auch der eigene Betrieb hat sich verändert. Früher produzierten sie in Triefenried Bahnhof und in einem tschechischen Werk Boote aus Kunststoff. „Damals hatten wir über 50 Mitarbeiter“, erinnerte sich Fischer. Heute gibt es nur noch den Betrieb in Triefenried Bahnhof. „Wir sind hier noch zu sechst“, sagte Sommer. Die Produktion wurde nach China verlagert, am Stammsitz erledigen sie nur noch Spezialaufträge oder Entwicklungsarbeit. „Der Weg nach Asien war der einzig richtige für uns. Würden wir hier produzieren, könnten wir im Wettbewerb nicht mithalten“, betonte Sommer, der einst selbst als Profikanute in der ganzen Welt unterwegs war.

Eine große Änderung gab es 2015, als sie Patente und Namensrechte aus der Kajakproduktion verkauften. Die Produktion vor Ort wurde verkleinert und schrittweise verändert. Aus dem daraus resultierenden Hauptprodukt Kanadier wurden mittlerweile Luftboote und Stand Up Paddles (SUP). Die eigenen Luftboote werden unter dem Namen Verano Watersports vertrieben. „Hier erreichen wir einen speziellen Markt“, erklärte Sommer, und Fischer wies auf die Vorteile hin: „Die Boote sind leichter zu transportieren und sparen Gewicht.“ Viele Käufer schätzen den einfachen Transport und die hohe Qualität. „Wir legen Wert auf gute Verarbeitung und Fahreigenschaften im Wasser“, versicherte Fischer.

Auch das Geschäft hat sich gewandelt. Heute sehen sich Fischer und Sommer als Händler, die eigene und Fremdprodukte verkaufen. „Qualität, Kundenservice und faire Preise sichern uns den Markt“, ist sich Sommer sicher. Auch das Messegeschäft hat sich verändert. „Früher waren wir auf Bootsmessen, heute eher auf Caravan- und Freizeitmessen“, erklärte Fischer. Die meisten Handelspartner kommen aus Asien und den USA. Paddel werden von der amerikanischen Marke Werner vertrieben, dessen Firmengründer in Ludwigsthal im Landkreis Regen geboren wurde. Die eigenen Boote, die SUPs und das Zubehör fertigen sie in Asien. Der Betrieb findet in Triefenried Bahnhof statt.

Schwere Zeiten in der Freizeitbranche – Nachfolger gesucht
Der Markt hat sich verändert, das Onlinegeschäft ist eine zentrale Säule geworden. Den Showroom vor Ort besuchen nur noch wenige Kunden. Dem Hoch der Coronazeit folgen nun magere Jahre. „Der Freizeitbereich ist in allen Branchen ein schwerer Markt geworden“, bedauerte Sommer. Dennoch machen sich Sommer und Fischer keine Sorgen. „Das Vertrauen in den Markt fehlt. Aber: Wir sind solide aufgestellt“, stellte Fischer fest, und Sommer ergänzte: „Der Preis ist entscheidend.“ Dank der Produktion im Ausland können sie weiterhin attraktive Preise bieten. „Ich habe keine Sorgen um uns“, sagte Sommer. Ein Punkt bereitet beiden jedoch Kopfzerbrechen: Es gibt bisher keinen Nachfolger. „Wir werden beide nicht jünger und würden gerne einen laufenden Betrieb an einen Nachfolger übergeben“, erklärte Fischer. Doch bisher hat niemand Interesse gezeigt.

„Wie könnte Euch die Politik helfen?“, fragte Raith. Beide Unternehmer klagten über Bürokratie und gesetzliche Vorgaben. „Unser kleiner Onlineshop muss die gleichen Auflagen erfüllen wie multinationale Großunternehmen“, erklärte Sommer und wies darauf hin, dass dies viel Zeit und Energie bindet. Diese würden sie lieber in wichtigere Bereiche wie die Produktentwicklung stecken. „Früher galt: Wer mehr arbeitet, hat mehr Geld. Heute ist die Idee das Wichtigste“, erklärte Fischer.

Landrat Raith stellte fest, dass der Bürokratieabbau bei fast allen Betriebsbesuchen eine zentrale Forderung ist. „Leider können wir als Landkreis hier nicht direkt eingreifen. Ich gebe diese Anliegen aber immer nach München und Berlin weiter“, betonte Raith und verwies auf die Zuständigkeiten von Land und Bund. Wo er unterstützen kann, würde er dies gerne tun. Auch Wirtschaftsförderin Sitzberger bot ihre Unterstützung bei Projekten an: „Sollte bei einem Neuprojekt eine Förderung in Frage kommen, helfe ich gerne.“ Bürgermeister Kroner hob im Gespräch die Bedeutung des Betriebs für die Stadt Regen hervor. „Jeder Betrieb ist uns wichtig“, betonte er.

Nach dem Gespräch im Büro konnten Raith, Kroner und Sitzberger im Showroom die Produktpalette bewundern. Vom SUP über Kajaks und Kanus, alles aufblasbar und leicht zu transportieren, bis zu Produkten für Freizeit und Pool, wie Sonnenbrillen und Poolcouch, ist das Angebot für Wassersportler groß. Raith bedankte sich abschließend für den Einblick in den Betrieb und wünschte weiterhin „viel Erfolg.“

Meldung vom: 22.09.2026