Mittelschüler diskutierten mit Landrat Dr. Ronny Raith über aktuelle Themen

Landrat Dr. Ronny Raith nahm sich Zeit, um die Fragen der Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Zwiesel zu beantworten. Foto: Melanie Reif / Landkreis Regen
Zwiesel. Was passiert mit den Krankenhäusern im Landkreis? Wie können Jugendliche ihre Ideen einbringen? Und was macht ein Landrat eigentlich den ganzen Tag? Mit diesen und weiteren Fragen wandten sich 55 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen und der M10 der Mittelschule Zwiesel an Landrat Dr. Ronny Raith. Er nahm sich Zeit, um mit den Jugendlichen zu diskutieren und ihre Fragen offen zu beantworten. Begleitet wurde er von Kathrin Götz, der kommunalen Jugendpflegerin des Landkreises Regen. Schulleiterin Iris Schneck begrüßte die Gäste und freute sich über den alljährlichen Besuch des Landrats.
Raith betonte, wie wichtig ihm der direkte Austausch mit jungen Menschen ist. Er bot den Schülerinnen und Schülern das Du an und ermunterte sie, auch persönliche oder kritische Fragen zu stellen. „Ihr dürft wirklich alles fragen“, sagte er. Kathrin Götz stellte sich ebenfalls vor und erklärte, wie sie Jugendliche und Fachkräfte bei Fragen zur Jugendarbeit unterstützt. Auch sie ermutigte die Jugendlichen, offen über ihre Anliegen zu sprechen.
Besonders intensiv diskutierten die Schülerinnen und Schüler mit dem Landrat über die Zukunft der Krankenhäuser im Landkreis Regen. Sie fragten nach den Perspektiven der Standorte Zwiesel und Viechtach und den möglichen Folgen für die medizinische Versorgung.
Raith erklärte, dass die Zukunft der Krankenhäuser eine der größten Herausforderungen seiner Amtszeit sei. Er stehe hinter den beiden bestehenden Häusern, doch bundespolitische Vorgaben, der bauliche Zustand, der Fachkräftemangel und hohe Defizite machten eine Entscheidung nötig. Trotz hoher Auslastung verzeichnen die Krankenhäuser jährlich ein Defizit in Millionenhöhe.
Der Landrat stellte die drei möglichen Szenarien vor: den Erhalt beider Krankenhäuser, die Schwerpunktbildung an einem Standort oder den Bau eines Zentralkrankenhauses im Raum Regen. Bei allen Varianten müssten die medizinische Qualität und eine leistungsfähige Notfallversorgung sichergestellt werden. Auch die Finanzierung und die Erreichbarkeit für die Bevölkerung spielten eine wichtige Rolle.
Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, erklärte Raith. Diese müsse der Kreistag treffen. Ihm sei wichtig, die Versorgung langfristig zu sichern und dabei auch künftige Entwicklungen zu berücksichtigen. „Die Qualität der Medizin, die man anbietet, muss passen“, hob er hervor.
Auch die wohnortnahe medizinische Versorgung beschäftigte die Jugendlichen. Raith erklärte, dass bei einer Zentralisierung die ambulante Versorgung an den bisherigen Standorten erhalten bleiben könnte. Zudem müsse geklärt werden, wie ein mögliches Zentralkrankenhaus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar wäre. Abschließend dazu riet der Landrat den Schülerinnen und Schülern, sich bei einem so komplexen Thema umfassend zu informieren und nicht ungeprüft auf Aussagen aus sozialen Medien oder Stammtischgesprächen zu vertrauen.
Im weiteren Verlauf interessierten sich die Jugendlichen für die Aufgaben des Landrats und seinen Arbeitsalltag. Raith erklärte, dass er die Verwaltung des Landkreises leite, politische Initiativen anstoße und den Landkreis nach außen vertrete. Bei einer Arbeitswoche von rund 100 Stunden fügte er mit einem Schmunzeln hinzu: „Langweilig war mir tatsächlich schon länger nicht mehr“.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, wie Jugendliche das Leben in ihren Wohnorten mitgestalten können. Die Schüler brachten konkrete Ideen ein: Sie wünschten sich unter anderem ein Autokino-Event, Ballettangebote, einen Fitnesspark, einen wohnortnahen Gebetsraum und mehr Aktivitäten im Jugendcafé Zwiesel.
Kathrin Götz erklärte, dass Jugendliche ihre Vorschläge an die Jugendbeauftragten in den Gemeinden richten könnten. Auch Vereine, Verbände und Jugendforen bieten Möglichkeiten, Ideen einzubringen und umzusetzen. Der Landrat ermutigte die Jugendlichen, ihre Anliegen aktiv vorzubringen und Mitstreiter zu suchen. „Nur wenn man es probiert, kann sich was verändern“, sagte er. Götz ergänzte, dass es bei fehlenden Angeboten nicht nur darum gehe, Wünsche zu äußern, sondern selbst an deren Gestaltung mitzuwirken.
Neben den großen Themen interessierten sich die Schülerinnen und Schüler auch für Raiths beruflichen Werdegang. Der Landrat berichtete von seiner Zeit als Rechtsanwalt, seinem Jurastudium und dem Referendariat. Anwalt zu sein habe ihm sehr gefallen. Er riet den Jugendlichen, bei ihrer Berufswahl möglichst viele Eindrücke zu sammeln und sich über verschiedene Möglichkeiten zu informieren. Dabei verwies er auf den Berufswahltag in Regen am Samstag, 17. Oktober.
Weitere Fragen drehten sich um Handynutzung an Schulen, das Gehalt eines Landrats und seine Sprachkenntnisse. Auch hier nahm sich Raith Zeit, um die Anliegen der Jugendlichen zu beantworten.
Zum Abschluss bedankte sich der Landrat für den offenen Austausch und die interessanten Fragen. Er ermunterte die Schülerinnen und Schüler, sich bei Anliegen direkt an ihn zu wenden. Auch Kathrin Götz bot ihre Unterstützung bei Fragen zur Jugendarbeit an. Dass der Gesprächsbedarf noch nicht erschöpft war, zeigte sich nach dem offiziellen Ende: Ein paar Jugendliche nutzten noch die Gelegenheit, um mit Raith persönlich ins Gespräch zu kommen.