Landrat will sich mit den Menschen austauschen

Landrat stellte sich in der Schnupferhütte Schöneck den Bürgerfragen

Langdorfs Bürgermeister Michael Englram (stehend) begrüßte Landrat Dr. Ronny Raith und die Bürger in der Schnupferhütte Schöneck. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Langdorf. Kein Onlinechat oder E-Mail-Verkehr kann ein persönliches Gespräch ersetzen“, sagt Regens Landrat Dr. Ronny Raith. Er legt großen Wert auf den Austausch mit den Menschen und ist auf vielen Terminen im Landkreis Regen unterwegs. „Nicht immer bleibt genügend Raum für den Austausch“, bedauert er. Um diesen künftig noch besser zu ermöglichen, hat er mit „Nochgfrogt beim Landrat“ ein neues Format ins Leben gerufen und in die Schnupferhütte nach Schöneck (Gemeinde Langdorf) eingeladen. Dort stellte er sich den Fragen der Anwesenden.

Begrüßt wurden Landrat und die Besucher von Langdorfs Bürgermeister Michael Englram. Er lobte die Idee: „Es ist schön, dass sich ein Landrat die Zeit nimmt, um am Dorf mit den Menschen zu diskutieren.“ Die Veranstaltung war nicht, wie eine Bürgerversammlung mit Folien und vielen Informationen angelegt. Landrat Raith gab anfangs lediglich einen Überblick über laufende Maßnahmen, den Haushalt und die Zukunftsfragen für den Landkreis. „Ich helfe, wo ich helfen kann. Die Realität zeigt aber auch, dass ich nicht immer helfen kann“, erklärte Raith eingangs des Gesprächs. Danach hatten die Bürger das Wort.

Arberlandkliniken als Hauptgesprächsthema
Viele Themen wurden angesprochen. Ein zentrales Thema, das die Menschen bewegt, ist die Krankenhausfrage. Hier wollten die Anwesenden wissen, wie Raith dazu steht. „Warum sollen wir zwei Häuser aufgeben und eine Zentralklinik bauen?“, war die Frage der Stunde. Raith beschrieb die Probleme aus der Krankenhausreform. Demnach bräuchte die Klinik für den Bestand aller Abteilungen an beiden Orten wesentlich mehr Ärzte und Pflegepersonal. Man werde nicht für beide Arberlandkliniken eine ausreichende Anzahl an Ärzten bekommen. „Wir haben jetzt schon Probleme alle Stellen zu besetzen“, stellte Raith fest. Für eine Zentralklinik könne man genügend Mediziner finden, gibt er sich optimistisch. Des Weiteren stellte der Landrat fest, dass die Klinik in Zwiesel neu gebaut werden müsste. „Eine Sanierung, vor allem des Zentraltrakts, ist nicht mehr möglich“, erklärte er. Das Gebäude sei zu alt. Dies habe man bereits vor Jahren erkannt und eigentlich einen Neubau geplant. In Viechtach sei die Lage etwas besser. Sollte eine Zentralklinik gebaut werden, könnte diese frühestens 2037 in Betrieb gehen. Zu diesem Zeitpunkt wäre der erste Bauabschnitt der Sanierung in Viechtach bereits mehr als 30 Jahre alt. Die Krankenhausentwicklung laufe zwangsläufig auf eine Zentralisierung hinaus. Man könnte möglicherweise auch in Viechtach eine Zentralklinik errichten. Dann müsste man dort anbauen und investieren. Die Probleme mit Zufahrtswegen und Parkplätzen blieben aber bestehen. Zudem würde durch eine Zentralklink der gesamte untere Bereich um den Zwieseler Winkel von der Klinikversorgung abgehängt. „Dort wäre nicht mehr in allen Bereichen die Versorgung gut“, bedauert Raith. Bei einem Neubau einer Zentralklinik, idealerweise im Bereich der Stadt Regen, entlang der Bundesstraße 85, wäre für alle Landkreisbürger eine gute Versorgung möglich.

Ehrlicherweise müsse er auch sagen, dass der Landkreis für keine Variante ausreichende finanzielle Mittel hat. „Wir können uns keines leisten“, sagte Raith mit Blick auf die Landkreisverschuldung. Weder der Erhalt beider Kliniken noch der Zentralhausbau oder der Ausbau in Viechtach, sei nach derzeitigem Stand finanziell machbar. Hier sparte Raith nicht mit Kritik am Freistaat. Das Land bekomme für den Umbau der Krankenhauslandschaft viel Geld vom Bund, doch dies werde nicht an die Kommunen weitergereicht. „Es wird keine, über die übliche Förderung, hinausreichende Unterstützung für finanzschwache Landkreise geben“, bedauert der Landrat.

ÖPNV und Schulweg
Doch nicht nur die Krankenhäuser waren Thema. Bianka König aus Kohlnberg sprach die ÖPNV-Versorgung, insbesondere den Rufbus, sowie denSchulweg von Kohlnberg nach Zwiesel zum Gymnasium an. Landrat Raith waren beide Themen bekannt. Beim Schulweg sei es so, dass die Kinder von Kohlnberg nach Schwarzach gehen müssten. Der Schulweg sei zumutbar. Er kenne die Kritik aus dem Dorf, dass der Weg unsicher sei. „Es hat eine Verkehrsschau mit unseren Experten und der Polizei gegeben“, sagte der Landrat und verwies auf das Ergebnis. Demnach waren sich alle einig, dass der Weg unbequem ist. „Unsicher empfand ihn niemand“, erklärte er und so müsse man auf den Fußweg bestehen, auch wenn dieser rund 2,5 Kilometer lang ist. Auch die Kritik zur Einstellung der Rufbusverbindung sei nicht neu.  Angesichts der angespannten Haushaltslage und mit Blick auf die Fahrgastzahlen, habe man die Verbindung gestrichen. „Zur Wahrheit gehört, nicht alles, was wünschenswert ist, können wir uns noch leisen“, betont Raith.

Katzenschutzverordnung gefordert
Tierschützerin Gabi Hermann-Kollig sprach das Thema Katzenschutzverordnung an. Raith erklärte, dass er sich persönlich den Erlass einer Verordnung vorstellen könne. Er betonte aber auch, dass er sich in dieser Frage mit den Bürgermeistern abstimme. Demnach werde es eine Verordnung nur geben, wenn die überwiegende Mehrheit der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister dies unterstützt.

Nach mehr als zwei Stunden beendete Landrat Raith das Gespräch. Er bedankte sich „für die anregenden Diskussionen“ und hoffte, dass der Austausch weitergeführt wird. Damit dies so bleibt, ist die nächste „Nochgfrogt“-Runde bereits geplant. Sie soll am Dienstag, 3. November, um 19 Uhr im Gasthaus Weber in Triefenried stattfinden.

Meldung vom: 28.09.2026