Seebachschleife: Vier Denkmäler mit Glastradition

Landrat Dr. Ronny Raith eröffnete mit Sonja Morgenstern den Tag des offenen Denkmals

Bereits zur Eröffnung am Sonntagmorgen waren viele Besucher nach Seebachschleife gekommen. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Seebachschleife. „Wir haben hier eine Besonderheit: vier Denkmäler auf engstem Raum“, begrüßte Sonja Morgenstern von der Unteren Denkmalbehörde am Landratsamt Regen die Gäste zum Tag des offenen Denkmals in Seebachschleife, Gemeinde Bayerisch Eisenstein. Der Ort blickt auf eine lange Glasgeschichte zurück; einst stand hier eine Spiegelglasschleiferei, die weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt war. Das diesjährige Motto „Netzwerk: Denkmal & Infrastruktur“ passte perfekt zu diesem Ort, der derzeit teilweise saniert wird, erklärte Morgenstern weiter.

„Denkmäler stiften Identität“, stellte Landrat Raith in seinem kurzen Grußwort fest. „Der Ort steht für die Geschichte des Glases“, betonte er. Die Seebachschleife erinnert wie kaum ein anderer Ort an die Glastradition im Landkreis Regen. Auch ohne aktiven Betrieb lassen sich hier die Wurzeln der Glasindustrie noch gut erkennen. „Die Arbeit in Seebachschleife strahlte weit über die Region hinaus“, so Raith weiter.

Diese Strahlkraft möchte Eigentümer Christoph Pfeffer künftig in Hausnummer 7 wiederbeleben. „Als meine Familie das Haus 1996 kaufte, stand es kurz vor dem Verfall“, erinnert er sich. Zuerst reaktivierten sie das Wasserkraftwerk und sanierten die Außenhülle, um weitere Schäden und den Einsturz zu verhindern. Mittlerweile hat sich auch im Inneren viel getan. „Es soll weitergehen“, betont Pfeffer. Er plant, das Haus zu einem Veranstaltungsort zu machen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei Führungen schilderte er, was bereits geschehen ist und was noch ansteht. Mühevoll befreite man das Gebäude und Grundstück von Müll und Bauschutt. Fenster sind eingebaut, und ein Teil der Lagerkeller ist freigelegt. Die Räume im Untergeschoss sind so weit wiederhergestellt, dass das Mauerwerk nicht mehr feucht ist. „Hier waren einst die Getriebe der Schleiferei“, erklärte Pfeffer. Doch schon beim Kauf vor 30 Jahren war davon kaum noch etwas zu sehen. Das erste Obergeschoss ist leergeräumt, und die Tragfähigkeit des Bodens ist wiederhergestellt. „Die Außenwände sind aus Granit, das Innenleben wie in einer Scheune“, erklärte Pfeffer.

In seiner Führung ging er auch auf die Geschichte des Ortes ein. Bereits in den 1860er Jahren arbeiteten hier rund 150 Menschen. Damit sie nicht täglich mehrere Stunden zur Arbeit gehen mussten, entstanden neben dem Betriebsgebäude auch Wohnhäuser und eine Kantine. Er blickte aber auch in die Zukunft. So soll die Wiederbelebung des Haupthauses nicht das Ende der Arbeiten darstellen. Pfeffer würde auch gerne die weiteren Gebäude sanieren und weiterentwickeln. Während sich das Haupthaus zukünftig für Veranstaltungen anbieten würde, müsse man für die weiteren Gebäude noch Nutzungskonzepte entwickeln. Dabei hofft er, wie beim Haupthaus, auf die Unterstützung durch die Denkmalschutzbehörde, denn ohne Förderung sei es schwer die Häuser zu erhalten und zu sanieren.

„Bis heute ist die bauliche Geschlossenheit des Ensembles erhalten“, freut sich Morgenstern und verweist auf die Gebäude: das Schleifengebäude (Seebachschleife 7, ein Halbwalmdachbau aus Bruchstein- und Ziegelmauerwerk), das Werkmeisterwohnhaus mit Kantine (Seebachschleife 1), das Spiegellagerhaus mit Wohnungen (Seebachschleife 5) sowie das Schleiferwohnhaus (Seebachschleife 9), alle aus dem späten 19. Jahrhundert. Alle Gebäude konnten beim Tag der offenen Tür besichtigt werden.

Lennart Kleiber, der Eigentümer des Schleiferwohnhauses, führte die Besucher durch sein Gebäude. Shivam Rana und Jasmin Hoffmann zeigten den Gästen das Spiegellagerhaus mit Wohnungen und die Kantine. Rana berichtete auch über die Zusammenhänge der Gebäude, da er derzeit seine Masterarbeit über die denkmalgeschützten Gebäude in der Seebachschleife schreibt.

Der Tag des offenen Denkmals stieß auf großes Interesse. Rund 260 Personen nutzten die Gelegenheit zum Besuch. Bei insgesamt drei Führungen gewannen sie Einblicke in die Geschichte des historischen Ortes. Am Ende zog Morgenstern ein positives Fazit: „Denkmalschutz, Industriegeschichte und Naturschutz verbinden sich hier zu einem einzigartigen Erlebnis, und die zahlreichen Besucher nutzten die Gelegenheit, dies zu entdecken.“

Meldung vom: 15.09.2026