Landrat Dr. Ronny Raith im Dialog mit angehenden Fachkräften des BBZ Zwiesel

Unser Bild zeigt: Landrat Dr. Ronny Raith und Kathrin Götz, Kommunale Jugendpflegerin im Dialog mit den Schülern und Schülerinnen des Caritas-Berufsbildungszentrums (BBZ) Zwiesel. Foto: Ramona Simeth / Landkreis Regen
Zwiesel. Gleich drei Abschlussklassen des Caritas-Berufsbildungszentrums (BBZ) Zwiesel empfingen Landrat Dr. Ronny Raith und Kommunale Jugendpflegerin Kathrin Götz zum offenen Dialog. In der Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS), der Berufsfachschule für Kinderpflege sowie der Berufsfachschule für Pflege und Altenpflegehilfe stellte sich der Landrat den Fragen der Schülerinnen und Schüler – beruflich wie privat. Schulleiter Raimund Kreutzer hieß die Gäste willkommen und betonte die besondere Bedeutung des BBZ: Die private Bildungseinrichtung bildet Fachkräfte für soziale, pädagogische und pflegerische Berufe aus – Tätigkeiten, die Verantwortung und Fachwissen erfordern und einen wertvollen Beitrag zur Lebensqualität der Menschen leisten.
Gleich zu Beginn ging es um ein zentrales Thema für die angehenden Fachkräfte: das Gehalt. Auf die Frage, ob sich die Bezahlung steigern lasse, erklärte Raith, dass der Landkreis darauf keinen Einfluss habe. „Innerhalb tarifgebundener Arbeitsverhältnisse seien die Rahmenbedingungen klar geregelt, außerhalb davon könne man durchaus mit dem Arbeitgeber verhandeln“, sagt der Landrat. Tarifverträge würden regelmäßig durch Arbeitnehmervertretungen ausgehandelt und weiterentwickelt. Gerade angesichts des Fachkräftemangels, insbesondere im sozialen Bereich, seien die Perspektiven gut. Wer eine abgeschlossene Ausbildung als Kinderpfleger oder Pflegekraft habe, verfüge derzeit über sehr gute Chancen am Arbeitsmarkt und könne unter Umständen sogar über Konditionen verhandeln.
Ein zentrales Thema war die finanzielle Situation der medizinischen Einrichtungen im Landkreis. In den Medizinischen Versorgungszentren in Regen, Zwiesel und Viechtach sind zahlreiche Fachärzte und Mitarbeiter beschäftigt, dennoch schreiben die Einrichtungen derzeit rote Zahlen. Ein erheblicher Teil der Kosten entfällt allein auf den laufenden Betrieb wie Strom, Wasser und Unterhalt. Vor der Corona-Pandemie konnten die Häuser noch ausgeglichen wirtschaften, seitdem sind jedoch die Kosten, etwa für Personal und Sachaufwand, deutlich gestiegen, während die Einnahmen nicht im gleichen Maß mitgewachsen sind. Intensiv diskutiert wurde die künftige Krankenhausstruktur. „Derzeit werden drei Varianten geprüft“, erklärte Raith. Der Erhalt und die Sanierung beider Standorte, eine Schwerpunktbildung mit klarer Aufgabenverteilung oder der Neubau einer zentralen Klinik mit rund 300 Betten in der Mitte des Landkreises sind Möglichkeiten. Letzteres wäre die teuerste und zeitintensivste Lösung. Gleichzeitig verwies Raith auf den zunehmenden Personalmangel, der in zehn bis zwölf Jahren den Parallelbetrieb zweier Häuser zusätzlich erschweren könnte.
Auch Fragen zur Finanzierung des Landkreises wurden gestellt. Aus dem Sondervermögen erhalte der Landkreis nur einen kleinen Bruchteil – angesichts des Berufsschulneubaus in Regen ist dies jedoch nur ein sehr kleiner Beitrag. Einnahmen generiere der Landkreis im Wesentlichen über den Einkommensteueranteil, staatliche Zuschüsse sowie die Kreisumlage. Darüber hinaus seien Kreditaufnahmen notwendig. Weitere Fragen betrafen BAföG-Regelungen, Zuverdienstgrenzen und Fehlzeiten. Hier verwies Raith auf die geltende Gesetzeslage und die Zuständigkeit von Bund und Land. Wer Änderungen erreichen wolle, solle sich an die jeweiligen Abgeordneten wenden. Bei arbeitsrechtlichen Fragen – etwa Urlaub oder Arbeitszeiten – empfahl auch Kathrin Götz, im Bewerbungsprozess offen das Gespräch mit künftigen Arbeitgebern zu suchen. Nicht alles sei verhandelbar, aber Transparenz schaffe Klarheit.
Neben politischen und strukturellen Fragen gewährte der Landrat auch persönliche Einblicke. Seine Arbeitswochen umfassen oft viele Termine, dennoch legt er Wert auf die Trennung von Amt und Privatleben. Seit 30 Jahren engagiert er sich bei der Feuerwehr. Über seine frühere Tätigkeit als Fachanwalt berichtete er von emotional belastenden Fällen ebenso wie von ungewöhnlichen und witzigen Situationen.
In den weiteren Gesprächsrunden kamen Themen wie Parkraumsituation, Straßenunterhalt, Einbürgerungsvoraussetzungen, regionale Wirtschaftsstruktur oder Fördermöglichkeiten für ehrenamtliche Organisationen zur Sprache. Beim Erhalt regionaler Betriebe appellierte Raith an das Konsumverhalten: „Wer beim heimischen Bäcker einkauft, stärkt die Region.“
Besonders hervorgehoben wurde das Ehrenamt. Raith und Götz informierten die Jugendlichen über die Bayerische Ehrenamtskarte. Wer sich über Jahre in Vereinen oder sozialen Organisationen engagiert, erhält zahlreiche Vergünstigungen – von freien Eintrittskarten über Rabatte in Freizeiteinrichtungen bis hin zu kostenlosem Parken. „Ehrenamtliches Engagement lohnt sich nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch für jeden persönlich“, betonte der Landrat.
Auch Fragen zum Umgang mit Problemen während der Ausbildung wurden offen diskutiert. Raith riet dazu, Schwierigkeiten frühzeitig anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Neben Vorgesetzten stünden auch Personalrat sowie Jugend- und Auszubildendenvertretung unterstützend zur Seite. Zum Abschluss betonten sowohl Raith als auch Götz ihre Ansprechbarkeit. „Meldet euch, wenn ihr Anliegen habt“, ermutigte Götz. Auch der Landrat unterstrich: „Wir wollen für die Menschen da sein und helfen, wenn wir helfen können.“