Landrat Raith im Gespräch mit Abschlussschülern der Mittelschule Teisnach

Landrat Ronny Raith und Jugendpflegerin Kathrin Götz (links daneben) diskutierten mit der Abschlussklasse der Mittelschule Teisnach sowie den Lehrkräften Melissa Dötsch und Barbara Reith über Politik, Jugendschutz und Wünsche junger Menschen. Foto: Miriam Lange / Landkreis Regen.
Teisnach. Statt eines klassischen Vortrags setzten Landrat Dr. Ronny Raith und die Kommunale Jugendpflegerin Kathrin Götz beim Besuch der Mittelschule Teisnach auf den direkten Austausch mit den Jugendlichen. Ziel war ein offenes Gespräch auf Augenhöhe.
Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen direkt an den Landrat zu richten. Raith erklärte zu Beginn, worum es ihm bei seinen Schulbesuchen geht: zuhören, erfahren, was junge Menschen bewegt, und Politik greifbarer machen. Gleichzeitig ermutigte er die Jugendlichen, sich auch künftig mit Fragen oder Anliegen an ihn zu wenden – per E-Mail oder bei einer Begegnung im Landkreis.
Die erste Frage ließ nicht lange auf sich warten: Ob er schon immer im Landratsamt habe arbeiten wollen? „Nein“, antwortete der Landrat geradeheraus, was für Schmunzeln im Raum sorgte. Raith erzählte von seinem Weg: aufgewachsen in Kirchberg, Abitur in Zwiesel, anschließend Bundeswehr. Zwischenzeitlich habe er ernsthaft überlegt, katholischer Pfarrer zu werden oder als Professor an der Universität zu bleiben. Letztlich wurde er Fachanwalt und war viele Jahre selbstständig tätig. Parallel engagierte er sich politisch – als Gemeinderat, Kreisrat und stellvertretender Landrat. Mit 46 Jahren übernahm er schließlich das Amt von seiner Vorgängerin Rita Röhrl.
Das Gespräch entwickelte sich schnell zur kommunalpolitischen Fragestunde: Wie viele Gemeinden hat der Landkreis? Was genau macht der Kreistag? Und ganze wichtig: Für welche Schulen und Schularten ist das Landratsamt zuständig? Raith bezeichnete Investitionen in Bildung als Grundlage für die Zukunft der Region.
Auch Wünsche aus dem Alltag der Jugendlichen kamen zur Sprache. So fragte Klassensprecherin Emma, wie kleinere Ortschaften und Ortsteile besser mit Nahversorgung ausgestattet werden könnten. Raith erklärte, dass dies vor allem Sache von Unternehmern und der jeweiligen Gemeinde sei. Ein „Dönerladen in Altnussberg“ oder ein „Fitnessstudio am Teisnacher Sonnenhang“ ließen sich vom Landratsamt jedenfalls nicht anordnen.
Mit praktischen Fragen ging es weiter: Wer entscheidet eigentlich über Schulausfall bei Glätte oder Hitze? Und welche Regeln gelten für 15-Jährige beim Jobben oder Ausgehen? Hier ergriff Kathrin Götz das Wort und erklärte Unterschiede zwischen Jugendschutz- und Arbeitsschutzgesetz – vom Discobesuch bis zum bekannten „Muttizettel“. Zugleich wies sie auf jugendgerechte Veranstaltungen in Jugendtreffs und Jugendkulturzentren im Landkreis hin. Besonders lebhaft wurde die Diskussion, als die Jugendlichen den Wunsch nach einem eigenen Jugendtreff in Teisnach äußerten. Götz ermutigte sie, selbst aktiv zu werden: Wer eine Idee habe, solle sich zusammenschließen und an den kommunalen Jugendbeauftragten oder den Bürgermeister wenden. Die Kommunale Jugendarbeit unterstütze solche Initiativen gerne.
Auch persönliche Einblicke fehlten nicht. Raith sprach offen über die Herausforderungen seines Amtes: Der Landkreis sei finanziell stark belastet, dennoch müsse man versuchen, Projekte voranzubringen. Als Landrat sei er politischer Vertreter nach außen, leite eine Verwaltung mit rund 430 Mitarbeitenden und trage Verantwortung etwa für Schulen, Krankenhäuser, medizinische Versorgungszentren, Rettungswesen oder Abfallwirtschaft. Sein Arbeitstag beginne meist um 5.30 Uhr und ende selten früh – auch am Wochenende stehen viele Termine auf dem Programm. „Als Landrat verteilt man nicht nur Geld und lächelt freundlich in Kameras“, sagte er. Oft müsse man auch „Nein“ sagen und unpopuläre Entscheidungen treffen. Am meisten Freude bereite ihm aber – etwa bei Terminen wie diesen – der direkte Kontakt mit Menschen.
Zum Abschluss gab es noch persönlichere Fragen: zu Gehalt, Parteizugehörigkeit oder Hobbys. Raith bekannte sich als Fan des FC Bayern München, fährt gerne Ski und radelt gelegentlich, wenn die Zeit es zulässt. Außerdem ermutigte er die Jugendlichen, ihr Wahlrecht zu nutzen: „Bei den Bundestagswahlen 2029 seid ihr ja bereits volljährig.“
Nach anderthalb Stunden endete der Austausch mit vielen Eindrücken auf beiden Seiten und Landkreis-Giveaways für die Schülerinnen und Schüler. Organisiert worden war der Besuch von den Lehrkräften Melissa Dötsch und Barbara Reith.