Im Bürgerdialog wurden Handlungsempfehlungen für die künftige Versorgung erarbeitet

Zusammen mit Christian Schmitz (li., Vorstand der Arberlandkliniken), Landrat Dr. Ronny Raith (2.v.li.) und Mike Angelkorte (hcb) stellten die Sprecher des Bürgerdialogs Herbert Polke (v.li.), Kristina Fischer-Tschöpp, Franz Obermeier, Karin Brunnbauer und Johannes Kronschnabel die Ergebnisse des Dialogs vor. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen
Regen. Der Landkreis Regen wagte sich an ein anspruchsvolles Projekt: Fünf abendliche Sitzungen zur Krankenhausreform sollten als bayerisches Pilotprojekt dienen. Es wurde intensiv diskutiert, das Gesundheitswesen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet und neue Perspektiven eingebracht. Die gesammelten Meinungen aus dem Bürgerdialog mündeten in konkrete Handlungsempfehlungen, die nun in einem Ergebnisbericht vorgestellt wurden.
Das Interesse war groß: 3.006 zufällig ausgewählte Personen aus allen Kommunen des Landkreises wurden eingeladen, am Bürgerdialog teilzunehmen. 167 Interessierte meldeten sich, und eine weitere Zufallsauswahl bestimmte die endgültige Zusammensetzung. Jeder Abend begann mit Impulsvorträgen von Experten, gefolgt von Arbeitsgruppen, die verschiedene Aspekte der Krankenhausversorgung vertieften. Ziel war es, dass die Bürgerinnen und Bürger eine bedarfsorientierte und finanzierbare Gesundheitsversorgung durch die Arberlandkliniken für die Zukunft mitgestalten.
In der Realschule Regen trafen sich die Sprecher des Bürgerdialogs, um ihre Standpunkte in einem Pressegespräch vorzutragen. Grundlage für die Entscheidungsfindung war auch das kürzlich vorgestellte Strukturgutachten und die von allen Teilnehmern erarbeiteten Ergebnisse. Die Ergebnisse sind eindeutig: Erreichbarkeit, besonders bei Notfällen, Versorgungsqualität und eine bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung sind entscheidend. Der Fachkräftemangel gilt als größter Engpass. Größere Teams, moderne Arbeitsbedingungen, Weiterbildungsmöglichkeiten und verlässliche Personalstrukturen sind zentrale Hebel zur Personalgewinnung und -bindung.
Wirtschaftlich sind der Abbau von Doppelstrukturen, die Bündelung von Ressourcen und Investitionen in moderne Strukturen notwendig. Hohe Investitionen werden als vertretbar angesehen, wenn sie langfristigen Nutzen bringen und durch Fördermöglichkeiten realisierbar sind.
Für Kliniken, Kommunal-, Landes- und Bundespolitik wurden weitere Handlungsempfehlungen formuliert. Der Landkreis und die Kommunen sollen die Standort- und Verkehrsinfrastruktur sowie die digitale Infrastruktur verbessern, Wohnraum und Familienangebote für Beschäftigte schaffen und den Bürgerdialog fortführen. Land und Bund sollen Digitalisierungsprojekte stärken, Personalprogramme auflegen, eine verlässliche Finanzierung bereitstellen und Bürokratie abbauen.
Der Status quo, also der Erhalt beider Kliniken in Viechtach und Zwiesel, wird als nicht zukunftsfähig eingestuft, begründet durch Personalengpässe, Investitionsbedarfe und bauliche Einschränkungen. Die Schwerpunktbildung in Viechtach wurde ebenfalls kritisch gesehen, da sie begrenzte Entwicklungsperspektiven, große personelle Herausforderungen und eine ungünstige Erreichbarkeit für den Landkreis aufweist. Die Variante eines Zentralklinikums wurde hingegen als zukunftsfähigste Lösung betrachtet, vorausgesetzt, es stehen ausreichend staatliche Fördermittel bereit, die Erreichbarkeit ist gesichert und alle Beteiligten werden umfassend eingebunden.
Die Sprecher des Bürgerdialogs bewerteten die Gesprächsplattform positiv. Fachvorträge und Gesprächsrunden ermöglichten einen verständlichen Austausch komplexer Inhalte. Die Meinungen der Bürger fließen als Handlungsempfehlungen in den weiteren Entscheidungsprozess ein, unter anderem am Dienstag, 9. Juni, im neu gewählten Kreistag. Dort werden auch wieder Teilnehmer des Bürgerdialogs ihre Erkenntnisse vorstellen.
„Es freut mich, dass der Bürgerdialog Ihnen geholfen hat, konkrete Empfehlungen auszusprechen, und Sie mit der Gesprächsplattform zufrieden waren. Dieses positive Feedback bestätigt mich darin, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben“, sagte Landrat Dr. Ronny Raith und bedankte sich bei den Sprechern des Bürgerdialoges für das Engagement.