Zwischen Unterwelt und Unternehmensrealität

Im Gespräch über Infrastruktur, Personal und Zukunftsthemen: (v. l.) Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger, Rudolf Kuchler jun. mit Co-Geschäftsführern Eduard Leichtling und Andreas Geiß (1. v. r.), Bürgermeister Daniel Grassl (3. v. r.) sowie Landrat Dr. Ronny Raith (2. v. r.).

Landrat informiert sich bei der Kuchler GmbH in Teisnach über eine oft unterschätzte Branche

Im Gespräch über Infrastruktur, Personal und Zukunftsthemen: (v. l.) Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger, Rudolf Kuchler jun. mit Co-Geschäftsführern Eduard Leichtling und Andreas Geiß (1. v. r.), Bürgermeister Daniel Grassl (3. v. r.) sowie Landrat Dr. Ronny Raith (2. v. r.).

Im Gespräch über Infrastruktur, Personal und Zukunftsthemen: (v. l.) Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger, Rudolf Kuchler jun. mit Co-Geschäftsführern Eduard Leichtling und Andreas Geiß (1. v. r.), Bürgermeister Daniel Grassl (3. v. r.) sowie Landrat Dr. Ronny Raith (2. v. r.). Foto: Miriam Lange / Landratsamt Regen.

Teisnach. Wer über Wirtschaft spricht, denkt selten an das, was unter der Erde liegt. Dabei hängt ein wesentlicher Teil der öffentlichen Infrastruktur genau davon ab: funktionierende Kanalnetze. Die Kuchler GmbH gehört zu den Unternehmen, die sich um diesen unsichtbaren Bereich kümmern – mit offiziellem Sitz in München und zugleich tiefen Wurzeln in der Region.

Beim Betriebsbesuch in Teisnach ging es deshalb weniger um Maschinen als um Mechanismen: Wie arbeitet ein Unternehmen, dessen Leistungen zwingend gebraucht werden und das dennoch unter steigenden Kosten, komplexen Vorgaben und strukturellen Herausforderungen steht?
„Das sind Pflichtaufgaben der Daseinsvorsorge“, sagte Geschäftsführer Rudolf Kuchler jun. „Unser Auftraggeber ist zu rund 80 Prozent die öffentliche Hand – sie muss diese Leistungen erbringen, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage.“ Ein stabiler Markt, aber kein einfacher, denn die Rahmenbedingungen haben sich spürbar verändert. Nach Angaben des Unternehmens schlagen allein die gestiegenen Kraftstoffpreise aktuell mit rund 75000 Euro Mehrkosten pro Monat zu Buche. Landrat Dr. Ronny Raith ordnete die Bedeutung der Branche ein: „Wir sprechen hier über zentrale Infrastruktur. Schäden in Abwassersystemen sind nicht nur ein technisches Problem, sondern können massive rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.“

Am Standort Teisnach zeigt sich, wo das Unternehmen herkommt: Kanal- und Rohrreinigung gehören weiterhin zum Kerngeschäft. Gleichzeitig hat sich die Kuchler GmbH technisch deutlich weiterentwickelt. Ein Schwerpunkt liegt heute in der Kanalsanierung – etwa mit Inliner-Verfahren, bei denen bestehende Rohrsysteme von innen heraus erneuert werden, auch bei Durchmessern von mehr als zwei Metern. „Wir sind in diesem Bereich stark spezialisiert“, sagte Kuchler. Entsprechend werden Projekte nicht nur regional umgesetzt, sondern fast in ganz Deutschland. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitsrealität. Einsätze außerhalb der Region bedeuten Fahrzeiten, Übernachtungen. Gleichzeitig versucht das Unternehmen, genau das zu begrenzen. Mehrere Standorte und flexible Arbeitszeitmodelle, darunter eine Viertagewoche, sollen helfen, Beschäftigten planbare Bedingungen zu bieten. „Wir wollen unsere Leute nicht dauerhaft auf Montage schicken“, so Kuchler. „Das entspricht auch nicht mehr dem, was viele erwarten.“ Die Folge: ein Spannungsfeld zwischen Auftragslage und Personalstruktur. Insgesamt sind derzeit einige Stellen offen – von technischen Fachkräften über Fahrer bis hin zu Projekt- und Verwaltungspositionen. Teilweise stehen sogar Geräte bereit, die mangels Personal noch nicht im Einsatz sind. Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger sieht darin eine typische Entwicklung: „Viele Unternehmen stehen heute nicht mehr vor der Frage, ob sie wachsen können, sondern wie sie vorhandene Kapazitäten sinnvoll nutzen.“ Entscheidend seien dabei qualifizierte Fachkräfte und effiziente Strukturen.

Ein weiteres Zukunftsthema ist die Digitalisierung. Neben der elektronischen Rechnungsabwicklung arbeitet das Unternehmen an Lösungen zur digitalen Zeiterfassung – ein Bereich, der durch arbeitsrechtliche Vorgaben komplex bleibt. Gleichzeitig werden neue technische Möglichkeiten ausgelotet, etwa bei der Inspektion von Leitungsnetzen mittels Drohnen. Auch beim Thema Umwelt bewegt sich das Unternehmen in einem anspruchsvollen Rahmen. Einerseits gelten hohe gesetzliche Anforderungen, andererseits setzt die Kuchler GmbH auf verschiedene Maßnahmen zur Ressourcenschonung, etwa durch eigene Photovoltaikanlagen, energieeffiziente Gebäudetechnik oder wassersparende Verfahren bei der Kanalreinigung.

Der Betriebsbesuch machte deutlich: Hinter einer oft wenig sichtbaren Branche steckt ein komplexes Zusammenspiel aus Technik, Recht und Organisation.

Meldung vom: 15.04.2026