Untersuchung 2023 bis 2025: Vorstellung der Naturschutzkartierung im Landkreis Regen

Im Bild, v.li. Carolin Wagner und Maria Engl vom Büro Naturgutachter, Carmen Liegl und Maria Hußlein vom LfU. Foto: Martin Graf/Landratsamt Regen
Regen. Von 2023 bis 2025 führte das Landesamt für Umwelt (LfU) Artenschutzkartierungen im Landkreis Regen durch. Nun präsentierten Maria Hußlein vom LfU und Carolin Wagner vom Büro Naturgutachter die Ergebnisse. Zahlreiche Vertreter von Fachbehörden, Verbänden, Politik und Institutionen folgten der Einladung der unteren Naturschutzbehörde Regen. Uwe Behringer, Sachgebietsleiter des Umweltamtes am Landratsamt Regen, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte unter anderem die Kreisräte Helmut Brunner, Walter Nirschl und Jens Schlüter.
„Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild der Natur und Artenvielfalt im Landkreis. Während einige Bereiche leichte Verbesserungen aufweisen, bestehen bei bestimmten Artengruppen deutliche Defizite“, erklärte Hußlein.
Besorgniserregende Situation bei Vögeln
Ein zentrales Thema war die Vogelwelt. Besonders bei Wiesenbrütern und Arten, die auf Hecken angewiesen sind, zeigt sich demnach eine alarmierende Entwicklung. Die Landkreisflächen schneiden hier im Vergleich schlecht ab. „Hauptursache ist das Fehlen von Saumstrukturen, also Übergangsbereiche wie Randstreifen zwischen Wiesen und anderen Lebensräumen“, so Wagner. Viele ehemalige Hecken haben sich mangels Pflege zu Baumreihen entwickelt. Beim Neuntöter sind Defizite deutlich: Er benötigt strukturreiche Heckenlandschaften, doch unzureichende Pflege beeinträchtigt seinen Lebensraum. Der Wiesenpieper, einst im ganzen Landkreis verbreitet, findet sich nur noch am Arber. Andere Arten wie das Braunkehlchen oder das Rebhuhn sind wohl verschwunden.
Positive Entwicklungen bei Insekten und Gewässern
Erfreulicher sind die Nachrichten bei anderen Artengruppen. Heuschrecken und Libellen zeigen stabile bis gute Bestände, besonders auf Feuchtflächen. Gewässerliebende Arten wie Libellen profitieren von verbesserter Wasserqualität. „Das ist ein Erfolg im Umweltschutz“, betont Wagner.
Rückgang bei Tagfaltern im landesweiten Trend
Weniger positiv ist die Lage bei Tagfaltern. Viele Arten sind zwar noch vorhanden, doch die Bestände sind individuenarm – ein Trend, der in ganz Bayern zu beobachten ist. Ursachen sind vielfältig. Arten, die trockene, wärmeliebende Flächen benötigen, leiden unter Nährstoffeinträgen, die ihre Lebensräume verschlechtern. „Auch unpassende Mahdzeitpunkte sind problematisch“, stellt Hußlein fest. Ein Vorschlag der für den Insektenschutz richtet sich an Kommunen und Landwirtschaft: Das Mulchen, besonders an Straßenrändern und auf Feuchtflächen, sollte reduziert oder eingestellt werden, um die Artenvielfalt zu fördern. Ergänzend wurde mehr Aufklärungsarbeit durch das Landratsamt angeregt, um Bewusstsein zu schaffen. Walter Nirschl, Bürgermeistersprecher im Landkreis Regen, wies auf die finanzielle Lage der Gemeinden und die hohe Auslastung der Bauhöfe hin.
Kritische Nachfragen kamen vom Bayerischen Bauernverband. Geschäftsführer Franz Kerscher äußerte Bedenken über mögliche zusätzliche Auflagen für landwirtschaftliche Betriebe. Carmen Liegl vom LfU stellte klar, dass die Kartierung nur eine Bestandserfassung ist, ohne rechtliche Konsequenzen für Bewirtschafter.
Die Diskussion führte zur Frage: Warum ist die ökologische Situation problematisch, obwohl der Landkreis Regen extensiv bewirtschaftet wird? Eine abschließende Antwort blieb offen, doch die Kartierung zeigt, dass auch in weniger intensiv genutzten Regionen gezielte Maßnahmen nötig sind, um Biodiversität langfristig zu sichern.
Fazit: Viele Arten sind noch vorhanden, aber es besteht dringender Handlungsbedarf. Die Kartierung liefert eine wichtige Grundlage – nun gilt es, die Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen und alle Akteure einzubinden.