Nationalpark setzt weiter auf Renaturierung

Unser Bild zeigt v.li.: Lena Kölbl (Landkreisverwaltung Regen), Iris Gehard (Geschäftsleiterin Landratsamt Regen), Regens Landrat Dr. Ronny Raith, Florian Klante (stellvertretender Landrat Freyung-Grafenau), Nationalparkleiterin Ursula Schuster und Dr. Verena Riedinger (Nationalparkverwaltung). Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Nationalparkausschuss beschäftigte sich unter anderem mit Wegerückbau und dem Wolf

Unser Bild zeigt v.li.: Lena Kölbl (Landkreisverwaltung Regen), Iris Gehard (Geschäftsleiterin Landratsamt Regen), Regens Landrat Dr. Ronny Raith, Florian Klante (stellvertretender Landrat Freyung-Grafenau), Nationalparkleiterin Ursula Schuster und Dr. Verena Riedinger (Nationalparkverwaltung). Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Unser Bild zeigt v.li.: Lena Kölbl (Landkreisverwaltung Regen), Iris Gehard (Geschäftsleiterin Landratsamt Regen), Regens Landrat Dr. Ronny Raith, Florian Klante (stellvertretender Landrat Freyung-Grafenau), Nationalparkleiterin Ursula Schuster und Dr. Verena Riedinger (Nationalparkverwaltung). Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Kirchdorf im Wald. Zur 76. Sitzung des Nationalparkausschusses begrüßte Landrat Dr. Ronny Raith die Teilnehmer im Gemeindezentrum Kirchdorf im Wald. Im Fokus standen der Rück- und Ausblick der Nationalparkverwaltung, die Renaturierung von Forststraßen und der Rückbau von Brücken sowie die Wölfe in beiden Nationalparken.

Zu Beginn blickte Nationalparkleiterin Ursula Schuster auf das vergangene Jahr zurück. „Die Kalamität hat sich deutlich abgeschwächt“, stellte sie zur Borkenkäferausbreitung fest. Mit 7800 Festmetern Käferholz erreichte man den Tiefstand der letzten 25 Jahre. Doch der Käfer werde sich wiederkommen, denn „die Kalamität verläuft in Wellen. “ Derzeit befindet man sich in der Abwärtsbewegung.

Ein Höhepunkt für den Nationalpark im Jahr 2025 war die Einweihung der Anlagen für Feuersalamander und Gelbbauchunken im Tierfreigelände Ludwigsthal. „Die Besucher sprechen gerne vom lebenden Wimmelbuch“, sagte Schuster, da es in den Gehegen viel zu entdecken gibt.

Auch die internationale Zusammenarbeit lief gut. Vor allem mit dem Nachbarnationalpark Šumava arbeitet man eng zusammen und will diese Kooperation aktiv fördern, so Schuster.

Schuster skizzierte viele Maßnahmen für das laufende Jahr. Beispielsweise plant man Verbesserungen im Tierfreigelände Neuschönau, darunter neue Volieren für Eulen und Käuze. Auch die Sanierung der Kneipp-Anlage in Spiegelau und des Waldschmidthauses steht an. „Es gibt bereits Bewerbungen“, erklärte Schuster zur Pächtersuche. Sie ist zuversichtlich, einen passenden Pächter zu finden. Positiv sei auch das Interreg-Projekt mit Šumava, das die Erneuerung der Ausstellung im Hans-Eisenmann-Haus ermöglicht. Zudem sind zahlreiche Forschungs- und Naturschutzprojekte geplant.

Dr. Verena Riedinger stellte Maßnahmen zur Renaturierung nicht mehr benötigter Forststraßen und Brücken vor. „Wir wollen möglichst unzerschnittene Lebensräume schaffen“, sagte Riedinger. Dies sei eine Vorgabe und Ziel für einen Nationalpark. „Der Unterhalt kostet Geld“, stellte Riedinger fest, und der Rückbau macht finanziell Sinn.

Trotz Abstimmung mit den Kommunen äußerte der Lindberger Bürgermeister Gerd Lorenz Bedenken. Er fragte, wie die Feuerwehr bei Waldbränden hinkommen solle und wies auf das schwere Gerät hin, das dem Nationalparkgedanken widerspreche. Er dankte jedoch für die frühzeitige Information und die Einbeziehung von Kritik und Vorschlägen. Frauenaus zweiter Bürgermeister Patrick Zens und Spiegelaus zweite Bürgermeisterin Elke Proßer-Greß stellten Fragen und lobten die Zusammenarbeit mit der Parkverwaltung.

Schuster minimierte die Brandängste: „Bei uns ist die Luftrettung das Mittel der Wahl“, betonte sie und verwies auf Erfahrungen aus Oberbayern. Der Einsatz örtlicher Feuerwehren birgt hohe Risiken, daher rechnet man nur in Einzelfällen mit Löschfahrzeugeinsätzen. Landrat Raith bestätigte dies und verwies auf klare Pläne für Brände.

Nachdem Dr. Riedinger die Motive erklärte und alle Maßnahmen mit den Kommunen abgestimmt waren, gab es keine Gegenstimmen. Einstimmig stimmten die Ausschussmitglieder den Plänen zu.

„Nicht alle Wölfe bleiben bei uns“, konnte Nationalparkleiterin Schuster zum Thema Wolf berichten. Sie gab einen Überblick zur Entwicklung. Während vor zwölf Jahren der erste Wolf im Nationalpark gesichtet wurde, hat sich nun eine stabile Population entwickelt. Den ersten Nachwuchs gab es im Jahr 2017. Während sich das damalige Rudel primär im Nachbarnationalpark in Tschechien aufhielt, haben sich mittlerweile zwei Rudel etabliert. Derzeit gebe es demnach 16 Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald. Dabei zeigte sich bei den Beobachtungen, dass der Wolf in der Regel Siedlungen meidet. Aber: Der Wolf ist „ein neugieriges Tier“, so kann es durchaus sein, dass Wölfe auf Wanderwegen unterwegs sind.

Die Nationalparkverwaltung informiere auch regelmäßig Nutztierhalter. „Wir gehen mit allen Daten transparent um“, betonte Schuster. Wichtig sei, dass Tierhalter die Möglichkeiten des Schutzes nutzen. Dafür gebe es auch entsprechende Fördermittel, erklärte Schuster. Die Menschen müssten sich in der Regel nicht vor dem Wolf fürchten, wobei natürlich Respekt angebracht sei, so Schuster weiter.

„Der Umgang mit dem Wolf ist nichts, was die Kommunen, der Landkreis und der Nationalpark regeln kann, hier kommen Landes-, Bundes- und Europarecht zum Zuge“, betonte Landrat Raith. Wichtig sei, dass Beobachtungen gemeldet werden. Schuster machte den Bürgermeistern das Angebot, Informationsveranstaltungen in Kommunen abzuhalten, um die Bevölkerung zu informieren.

Diese Wege oder Brücken sind betroffen

Gemeindebereich Spiegelau
Das Lindaustraßl soll auf einer Länge von rund 550 Metern vom Abzweig Schwarzachstraße bis zum Bahnübergang zu einem schlepperbefahrbaren Weg zurückgebaut werden. Dabei werden vor allem die Wegseitengräben verfüllt um den natürlichen Wasserhaushalt in den angrenzenden Moorwaldflächen wiederherzustellen. Sowohl der markierte Wanderweg entlang des Waldhüttenbachs als auch das nicht als Wanderweg ausgewiesene Lindaustraßl sind weiterhin für Fußgänger nutzbar.

Gemeindebereich Frauenau
Die Rachelstraße soll auf einer Länge von rund 1300 Metern vom Abzweig Hochschachtenstraße bis zur Brücke über den Kleinen Rachelbach zu einem Fußweg rückgebaut und die sanierungsbedürftige Brücke über den Kleinen Regen rückgebaut und durch eine kleinere Holzkonstruktion ersetzt werden. Die bestehende Markierung als Wanderweg (Teil des Goldsteigs) bleibt bestehen.

Gemeindebereich Lindberg
Die Fahnenriegelstraße soll auf einer Länge von zirka 1550 Metern bis zur Einmündung in die Steinschachtenstraße vollständig renaturiert werden. Hier verläuft kein Rad- oder Wanderweg. Es wird so eine ökologische Aufwertung der angrenzenden Flächen möglich.

Die Steinschachtenstraße soll vom Abzweig von der Gfälleistraße bis zum von Süden kommenden Wanderweg „Kreuzspinne“ auf einer Länge von 1550 Metern vollständig renaturiert werden und im weiteren Verlauf auf einer Länge von rund 2250 Metern bis zur Einmündung in den Radweg/Wanderweg „Waldschnepfe“ zu einem Fußweg zurückgebaut werden. Dabei wird Asphalt auf einer Länge von insgesamt 1300 Metern ausgebaut. Durch die naturnahe Gestaltung wird der Wanderweg „Kreuzspinne“ in diesem Abschnitt deutlich aufgewertet.

Ein namenloser Weg oberhalb des Wintergatters Ahornschachten soll durch kleine Geländeanpassungen ökologisch verbessert werden. Ein Begehen des nicht markierten Weges bleibt im bisherigen Umfang möglich.

Die Sallerhängstraße soll zwischen der Falkensteinerstraße und der Klotzstraße auf einer Länge von 1250 Metern vollständig renaturiert werden. Der Weg ist nicht als Wander- oder Radweg markiert.

An der Bärenlochstraße soll auf einer Länge von zirka drei Kilometern eine Asphaltdecke ausgebaut werden, die sich in sehr schlechtem Zustand befindet und eine mögliche Gefahr für Radfahrer darstellt. Anschließend wird der Weg entsprechend anderen Radwegen im Nationalpark mit einer Schotterdecke versehen.

Des Weiteren sollen insgesamt fünf Brücken im Gemeindegebiet rückgebaut werden. Die Brücke über die Schleicherschwelle schafft einen Zugang zum Wanderweg „Böhmweg“ vom Radweg „Schleicherstraße“ aus. Diese Querungsmöglichkeit soll in ähnlicher Weise erhalten bleiben. Alle anderen Brücken werden ersatzlos rückgebaut oder durch eine Furt ersetzt.

Alle beschriebenen Vorschläge wurden bereits mit den jeweiligen Gemeinden im Vorfeld abgestimmt.

 

Meldung vom: 15.06.2026