Bedrohlich, ungeschönt aber aufschlussreich

Jugendamtsleiter Martin Hackl (re.), Jugendpflegerin Dr. Edith Aschenbrenner und Alexander Lange vom Kreisjugendamt machten die Kinobesucher auf das Thema Cybergrooming aufmerksam. Foto: Reinhard Wölfl/Landkreis Regen

Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“ erstmalig im Regener Kino gezeigt

Jugendamtsleiter Martin Hackl (re.), Jugendpflegerin Dr. Edith Aschenbrenner und Alexander Lange vom Kreisjugendamt machten die Kinobesucher auf das Thema Cybergrooming aufmerksam. Foto: Reinhard Wölfl/Landkreis Regen

Jugendamtsleiter Martin Hackl (re.), Jugendpflegerin Dr. Edith Aschenbrenner und Alexander Lange vom Kreisjugendamt machten die Kinobesucher auf das Thema Cybergrooming aufmerksam. Foto: Reinhard Wölfl/Landkreis Regen

Regen. „Bedrohlich, ungeschönt aber aufschlussreich“, so beschrieben viele Besucher den Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“ im Regener Kino. Das Kreisjugendamt Regen veranstaltet mit den Kinos in Regen, Zwiesel und Viechtach Filmabende, um auf das Thema „Cybergrooming“ an Kindern und Jugendlichen aufmerksam zu machen und um zu erklären, wie Eltern hier präventiv tätig werden können. Mehr als 50 interessierte Zuhörer nahmen am 20. Oktober an der Premiere im Regener Kino teil, bei der auch Fachkräfte des Jugendamts, die örtliche Polizei sowie weitere Jugend- und Familienberatungsstellen vertreten waren.

Der Dokumentarfilm zeigte den Zuschauern reale Situationen, in denen Erwachsene Kinder und Jugendliche über Social Media kontaktieren, sexuell belästigen und missbrauchen. „Der Film begleitet erwachsene Schauspielerinnen, die sich als zwölfjährige Mädchen im Internet ausgeben, bei echten Kontaktversuchen bis hin zu persönlichen Treffen“, erläutert Alexander Lange vom Jugendamt Regen. Die Bandbreite reicht dabei von sexueller Belästigung über das Versenden pornografischer Inhalte bis zur Erpressung der Kinder. „Für viele Zuschauer wird dies nicht nur unangenehm, sondern sogar schockierend sein“, sagte Jugendamtsleiter Martin Hackl noch vor der Filmvorführung. Leider handele es sich bei derartigen Situationen nicht um Fiktion, sondern um reale Vorgänge, „die sich auch im Landkreis Regen abspielen können, da die Täter von überall aus Kontakt zu den jungen Internetnutzern aufnehmen und diese oftmals nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden können“, berichtet Hackl.

„Es geht nicht darum, den Kindern die Nutzung von Smartphone und Internet zu verbieten“, sagt Dr. Edith Aschenbrenner, Kommunale Jugendpflegerin und Mitorganisatorin der Veranstaltung. „Trotzdem wird dieses Thema oft tabuisiert oder von Kindern bei einem derartigen Online-Kontakt verschwiegen, da die Gefahr nicht erkannt oder das Thema als peinlich empfunden wird“, erklärt Dr. Aschenbrenner weiter. Aus diesem Grund blieben viele Zuschauer nach der Filmvorführung noch im Kinofoyer, um sich von den anwesenden Fachkräften über Präventionsmöglichkeiten beraten zu lassen.

„Oft hilft es schon, die Nutzung des Smartphones gemeinsam zu besprechen und den Kindern zu zeigen, dass sie sich in diesen Situationen ohne Hemmungen an ihre Eltern wenden können“, weiß die Kreisjugendpflegerin. Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Filmvorführung prägend war und das das Thema Cybergrooming damit auch im Landkreis Regen zukünftig im Gespräch bleiben muss.

Hintergrund:

Als Cybergrooming bezeichnet man das Suchen von Opfern im Internet. Dabei nutzen die Täterinnen und Täter gezielt auch Programme- und Plattformen für Kinder und Jugendliche. Die Opfer werden dabei auch in Chats von Spielen oder auf Kinderseiten angesprochen. Die Zahl der Anzeigen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Experten gehen von hohen Dunkelziffern aus.

Wer von Cybergrooming betroffen ist, kann sich vertrauensvoll an das Kreisjugendamt Regen unter 09921-601425, an andere örtliche Beratungsstellen oder an die Polizei wenden.

Meldung vom: 22.10.2021