79-jährige Person ist erkrankt – Keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung
Viechtach. Ende vergangener Woche wurde bei einer 79-jährigen Person aus dem Landkreis das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1; umgangssprachlich auch als „Bornavirus“ bezeichnet) festgestellt. Dies teilt das Landratsamt Regen in einer Pressemitteilung mit. Aufgrund der Folgen der Infektion befindet sich die Person derzeit in intensivmedizinischer Behandlung.
Das Landesamt für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurde umgehend hinzugezogen. Die Krankheit geht in der Regel mit einer schweren Gehirnentzündung einher, tritt selten auf und es gibt keine Impfung oder erprobte Behandlung. Meist endet sie tödlich.
„Da das Virus sich nicht von Mensch zu Mensch verbreitet, besteht keine erhöhte Gefahr für die Bevölkerung“, versichert Amtsarzt Jürgen Dachl. Wo genau sich die erkrankte Person angesteckt hat, konnte bisher nicht ermittelt werden. „Neben einer Übertragung durch direkten Kontakt zu Feldspitzmäusen, etwa durch Bissverletzungen, ist es grundsätzlich denkbar, dass ein Mensch sich über die virushaltigen Ausscheidungen der Feldspitzmaus infiziert. Ein direkter Spitzmauskontakt wäre somit nicht zwangsläufig erforderlich.“
Um sich vor einer Infektion zu schützen, empfiehlt daher das LGL den direkten Kontakt zu Spitzmäusen und deren Ausscheidungen zu meiden. Ist dies nicht möglich, zum Beispiel weil eine Katze eine Spitzmaus in die Wohnung gebracht hat, eine Spitzmaus versehentlich in eine Mausefalle geraten ist oder ein Schuppen mit Spitzmausbefall gereinigt werden muss, dann sollten Schutzmaßnahmen getroffen werden (Informationen hierzu unter www.lgl.bayern.de/bornavirus).
Die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) ist der einzige bekannte Reservoirwirt für BoDV-1. Sie kann das Virus unter anderem über Speichel, Urin, Kot und die Haut ausscheiden, ohne selbst daran zu erkranken. Übertragungen von BoDV-1 auf Menschen oder Tiere (z.B. Pferde, Schafe, Alpakas) gelten als Fehl- oder Endübertragungen. Menschen und tierische Fehlwirte versterben in der Regel an der Erkrankung. Sie scheiden das Virus nicht aus und kommen somit unter natürlichen Bedingungen als Überträger nicht in Frage.
Hintergrund – Bornavirus
Beim Borna Disease Virus 1 handelt es sich um den Erreger der Borna’schen Krankheit, die seit mehr als 250 Jahren als Tierseuche bekannt ist. Im Jahr 2018 wurde BoDV-1 erstmalig als Ursache schwerer Gehirnentzündungen (Enzephalitiden) beim Menschen identifiziert. Bisher sind nur wenige Fälle von BoDV-1 Erkrankungen beim Menschen bekannt, die in Bayern zwischen 1996 und 2026 aufgetreten sind. Aktuell (Stand Mai 2026) liegt die Anzahl identifizierter humaner Fälle bei etwas mehr als 60. Seit Einführung der Meldepflicht zum 1. März 2020 sind dem Robert Koch-Institut bis zu acht akute Fälle von BoDV-1 Enzephalitis pro Meldejahr übermittelt worden. Mehr als 90 Prozent davon kamen aus Bayern. Eine Verbreitungskarte des BoDV-1 ist auf den Seiten des Friedrich-Loeffler-Instituts abrufbar (https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/bornaviren/).
Weitere Informationen zum Thema Bornavirus gibt es im Internet auf den Seiten des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: https://www.lgl.bayern.de/bornavirus
Dort ist auch eine Anleitung zur sicheren Entsorgung toter Spitzmäuse, Mäuse und anderer zu finden: Download Anleitung Entsorgung Spitzmäuse und andere Kleintiere