Filmangebot für Eltern und Fachkräfte

Das Thema sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist nach wie vor aktuell

Der Film ist nicht für sensible Menschen, denn er zeigt eindrucksvoll, auf welche Gefahren Kinder und Jugendliche im Internet stoßen.

Der Film ist nicht für sensible Menschen, denn er zeigt eindrucksvoll, auf welche Gefahren Kinder und Jugendliche im Internet stoßen.

Regen/Zwiesel/Viechtach. „Gefangen im Netz“ ist der Titel eines Dokumentarfilmes über Cybergrooming, den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Internet. Der Film lief im Oktober 2021 mit Unterstützung des Kreisjugendamtes Regen in allen drei Kinos im Landkreis Regen. Das Werk berührte die Zuschauer. „Der Film wühlte auf“, sagt Dr. Edith Aschenbrenner. Als Kommunale Jugendpflegerin koordinierte sie die Vorführungen und bei ihr kamen viele Reaktionen an. „Viele Eltern kamen auf mich zu und baten um eine Wiederholung. Auch Vertreter von Schulen und Elternbeiräten wünschten sich weitere Vorführungen“, so Dr. Aschenbrenner weiter. Deswegen entschlossen sich die Verantwortlichen zu einer Neuauflage.

„Das Thema ist leider nach wie vor aktuell“, bedauert die Pädagogin Dr. Aschenbrenner. Deswegen wird der Film noch einmal öffentlich gezeigt. Am Dienstag, 22. November, können sich Eltern und Fachkräfte, wie Lehrer und Erzieher, den Film in der ab 16 Jahre freigegebenen Version um 19 Uhr im Kino Viechtach ansehen. Kinder sollten an diesem Abend zuhause bleiben. Auch für Personen, die selbst traumatische Erfahrungen gemacht haben, ist der Film eher ungeeignet. „Wir werden die Zuschauer am Ende nicht alleine lassen“, versichert Dr. Aschenbrenner. Nach der Filmvorführung stehen den Anwesenden Fachkräfte des Jugendamtes Regen, Präventionsbeauftragte der Polizei sowie Fachkräfte aus Schulen und regionalen Beratungsstellen für Gespräche und Austausch zur Verfügung. Außerdem erhalten alle Besucher Informationsmaterial über Anlaufstellen und Internetportale für Betroffene.

„Die Idee kam 2021 von der Viechtacher Kinobetreiberin Melanie Reil“, berichtet Dr. Aschenbrenner. Ihre Initiative haben die Verantwortlichen gerne aufgenommen. „Wir werden weiter an dem Thema arbeiten und auch das Kino Zwiesel ist in diesem Jahr wieder mit dabei“, betont die Pädagogin. Dort wird es aber keine öffentliche Filmvorführung geben. Das Lichtspielhaus beteiligt sich, wie auch das Filmtheater in Viechtach, an den Projektkinowochen zum Thema. „Im gesamten November können Lehrer mit ihren Klassen Filmvorführungen buchen“, sagt die Pädagogin. Dabei gibt es auch umfangreiches Material für den Unterricht, denn „der Film muss vorbesprochen und auch nachbearbeitet werden.“ Für die Jugendlichen gibt es eine FSK ab zwölf Jahren Version. „Aber auch die hat es in sich“, erklärt sie.

Die Geschichte des Films ist schnell erzählt. In einem einzigartigen Experiment schlüpfen drei sehr jung aussehende Schauspielerinnen in die Rolle von zwölfjährigen Mädchen. In einem Filmstudio werden drei Kinderzimmer eingerichtet. Die drei richten sich auf verschiedenen Onlineplattformen Profile ein und warten was passiert. „Was dann geschieht, das öffnet sicherlich vielen die Augen“, berichtet die Jugendpflegerin. Innerhalb von Minuten bekommen die Mädchen nicht nur Kontakt zu erwachsenen Männern, sie bekommen viel mehr. Auch: viel mehr als sie sehen wollen.

Dr. Aschenbrenner hat den Film vorab mit einigen Mitarbeitern des Landratsamtes angesehen und alle waren sich einig: Wer Kinder hat oder mit Kindern arbeitet muss den Film gesehen haben. Die Einladung zum Filmabend geht an alle Schulen, mit der Bitte, diese über die Elternvertretungen an die Eltern weiterzuleiten. „Wir wissen, dass das Thema keine leichte Kost ist und der Abend sicher kein unterhaltsamer Filmabend wird. Dennoch hoffen wir darauf, dass sich viele Eltern den Film ansehen“, sagt auch Jugendamtsleiter Martin Hackl. Denn „das Thema ist längst Teil der Internetgesellschaft und man kann und soll es nicht verschweigen.“

Karten

Kostenlose Eintrittskarten können bereits im Internet unter www.kino-viechtach.de/programm gebucht werden.

Hintergrund

Als Cybergrooming bezeichnet man das Suchen von Opfern im Internet. Dabei nutzen die Täterinnen und Täter gezielt auch Programme- und Plattformen für Kinder und Jugendliche. Die Opfer werden dabei auch in Chats von Spielen oder auf Kinderseiten angesprochen. Die Zahl der Anzeigen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Experten gehen von hohen Dunkelziffern aus.

Meldung vom: 08.11.2022