Landrat Dr. Raith informierte sich bei Müller Orthopädie Schuhtechnik

Landrat Dr. Ronny Raith (li.) prüft einen „Leisten“, die Form, um die ein Schuh angefertigt wird. Foto: Miriam Lange / Landratsamt Regen.
Regen. Wer an ein Sanitätshaus denkt, hat meist Pflegebetten und Gehhilfen im Kopf. Wie viel handwerkliches Know-how, Präzision und moderne Technik die Arbeit hinter den Kulissen verlangt, erfuhren Landrat Dr. Ronny Raith, Bürgermeister Andreas Kroner und Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger im Rahmen eines Betriebsbesuchs bei Müller Orthopädie Schuhtechnik in Regen.
Das Familienunternehmen am Kirchplatz wird in fünfter Generation von Manuel Müller geführt. Mit passgenau gefertigten Einlagen, Maßschuhen, Bandagen und Orthesen begleiten die 19 Mitarbeiter Menschen zurück in einen aktiven Alltag. Auf rund 600 Quadratmetern verteilen sich über vier Stockwerke Verkaufs- und Beratungsräume, Behandlungszimmer, Werkstätten und Fertigungsbereiche. Dass der Betrieb trotz seines Wachstums bis heute in der Regener Innenstadt beheimatet ist, freute Wirtschaftsförderin Teresa Sitzberger: „Gerade bei einem Unternehmen mit einem großen Einzugsgebiet wäre ein Standort außerhalb naheliegend gewesen. Dass Müller bewusst hiergeblieben ist, bringt Leben in die Stadt und zeigt, dass sich wirtschaftlicher Erfolg und ein zentraler Standort gut miteinander verbinden lassen.“
Während im Verkaufsraum reger Betrieb herrschte, begleitete Müller die Besucher durch die Fertigung. Wo früher Fußabdrücke in Schaumstoff oder Gips genommen wurden, liefern heute 2D- und 3D-Scanner digitale Modelle. Erste Bauteile werden bereits im 3D-Druck produziert. Gleichzeitig rattern bei Reparaturarbeiten noch immer jahrzehntealte Adler-Industriemaschinen. Besonderes Interesse weckte ein hölzerner Leisten – jene Form, auf der ein Schuh entsteht und die Passform, Absatzhöhe sowie Zehenform vorgibt. „Der Leisten ist die Seele des Schuhs“, erklärte Müller. Dass orthopädische Hilfsmittel weit mehr sind als Lagerware, wurde schnell deutlich. Zwischen ärztlichem Rezept und Endprodukt liegen zahlreiche Arbeitsschritte: vermessen, beraten, anpassen, fertigen und immer wieder kontrollieren. Oft entscheiden wenige Millimeter darüber, ob eine Einlage entlastet oder ein Schuh dauerhaft beschwerdefrei getragen werden kann. Bürgermeister Kroner hob den Stellenwert individueller Versorgung für die Menschen vor Ort hervor: „Mobilität bedeutet Selbstständigkeit und Lebensqualität. Umso wichtiger ist es, hier vor Ort Ansprechpartner zu finden, die sich Zeit nehmen und Lösungen entwickeln, die wirklich zu einem passen.“ „Leider sieht man unser Unternehmen meistens erst, wenn man uns braucht“, entgegnete Müller – nach einer Verletzung oder Erkrankung etwa. Das Angebot reiche längst von maßgefertigten Wander-, Sport- oder Arbeitsschuhen über Sandalen bis hin zu modischer Kompressionsbekleidung. Der klobige orthopädische Schuh in Schwarz oder Schlammfarbe gehöre jedenfalls der Vergangenheit an.
Ein wichtiges Gesprächsthema war auch der Fachkräftenachwuchs. Müller bildet regelmäßig Orthopädie-Schuhtechniker aus. Der schulische Teil der Ausbildung findet im Blockunterricht in München statt. Darüber hinaus bietet der Familienbetrieb auch Umschülern eine berufliche Perspektive. Gesucht werden außerdem Mitarbeitende für die Werkstatt sowie für Beratung und Verkauf im Sanitätsfachhandel. Dort verbindet der Berufsalltag medizinisches Verständnis mit handwerklichem Können und der persönlichen Betreuung der Kunden. Landrat Dr. Ronny Raith unterstrich die Bedeutung solcher Ausbildungs- und Arbeitsplätze für den Landkreis: „Betriebe wie Müller Orthopädie machen deutlich, wie anspruchsvoll und vielseitig modernes Handwerk ist. Damit die wohnortnahe Versorgung auch künftig gesichert bleibt, brauchen sie gut ausgebildete Fachkräfte. Jede erfolgreiche Ausbildung stärkt deshalb nicht nur das Unternehmen, sondern den gesamten Landkreis.“