„Notfälle kennen keine Grenzen“

Regens Landrat Dr. Ronny Raith (sitzend, li.) und der Pilsener Regionspräsident Dr. Kamal Farhan (sitzend, re.) waren die ersten Unterzeichner. Regens Kreisbrandrat Hermann Keilhofer und der Pilsener Feuerwehrgeneral František Pavlas reichten sich die Hände zur Zusammenarbeit. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Nach mehrjähriger Vorbereitung wurde Abkommen zur grenzüberschreitenden Hilfe geschlossen

Regionspräsident Dr. Kamal Farhan sprach sein Grußwort, übersetzt von Petra Kropáčková, auf der deutschen Seite der Grenze stehend, während Regens Landrat Dr. Ronny Raith im Nachbarland Tschechien zuhörte. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Regionspräsident Dr. Kamal Farhan sprach sein Grußwort, übersetzt von Petra Kropáčková, auf der deutschen Seite der Grenze stehend, während Regens Landrat Dr. Ronny Raith im Nachbarland Tschechien zuhörte. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Bayerisch Eisenstein. Von 1945 bis 1993 trennte der Eiserne Vorhang Europa. In Bayerisch Eisenstein verläuft die Grenze sogar durch den Bahnhof. Heute erinnert kaum noch etwas an diese strikte Trennung. Im Grenzbahnhof ist die Grenze jedoch noch sichtbar: Ein roter Strich symbolisiert den Übergang von Bayern nach Tschechien. Am vergangenen Sonntag wurde genau auf dieser Grenzlinie ein Tisch platziert. Darauf lag ein Vertrag, an dessen Abschluss über Jahre hinweg gearbeitet wurde. „Heute wird Geschichte geschrieben“, waren sich alle Beteiligten bei der Unterzeichnung des grenzüberschreitenden Abkommens zur Hilfeleistung und Zusammenarbeit im Brandschutz einig.

Dr. Kamal Farhan, der tschechische Regionspräsident aus Pilsen, reiste zur Unterzeichnung an. In seiner Ansprache betonte er die Wichtigkeit der Vereinbarung: „Notfälle kennen keine Grenzen.“ Auch Regens Landrat Dr. Ronny Raith hob in seiner Begrüßung die Bedeutung des Abkommens hervor.

„Jetzt liegt es an uns, das Beschlossene mit Leben zu füllen“, sagte der tschechische Feuerwehrgeneral František Pavlas und erhielt dabei volle Unterstützung vom Regener Kreisbrandrat Hermann Keilhofer. Die Feuerwehrleute im Landkreis Regen und im Bezirk Pilsen sollen sich weiter vernetzen und die Zusammenarbeit trainieren. „Es kommt zusammen, was schon lange zusammengehört“, so Keilhofer. Für ihn sei es selbstverständlich, dass Feuerwehren im Herzen Europas einander unterstützen, auch über Landesgrenzen hinweg. Er bedankte sich ausdrücklich bei Pavlas für die „Zusammenarbeit auf Augenhöhe.“

Landrat Raith dankte Pavlas, Keilhofer und ihren Teams für die Vorbereitung des Abkommens: „Danke für den Willen, das Abkommen auf den Weg zu bringen.“ Ohne das persönliche Engagement von Pavlas und Keilhofer wäre das Abkommen nicht zustande gekommen, so Raith weiter. Ein besonderer Dank ging an Regionspräsident Farhan, der das Ziel, ein Abkommen zu erreichen, tatkräftig unterstützt hat. Ein weiterer Dank ging an die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden. Während die Feuerwehr in Tschechien eine staatliche Aufgabe ist und zentral verwaltet wird, gehört das Feuerwehrwesen in Bayern zu den gemeindlichen Aufgaben. Das Abkommen war daher nur mit Unterstützung der Kommunen möglich. „Die Gemeinden stellen sich in den Dienst der Sache“, betonte der Landrat und verwies darauf, dass vor allem Menschen in Not von der Vereinbarung profitieren. Er kündigte an, auch die weiteren Schritte aktiv zu unterstützen und regte an, die Zusammenarbeit insbesondere im Bereich der Jugendfeuerwehren zu fördern. Zudem stellte er die Beantragung von EU-Fördermitteln für ein entsprechendes Kooperationsprojekt in Aussicht.

Regens Landrat Dr. Ronny Raith (sitzend, li.) und der Pilsener Regionspräsident Dr. Kamal Farhan (sitzend, re.) waren die ersten Unterzeichner. Regens Kreisbrandrat Hermann Keilhofer und der Pilsener Feuerwehrgeneral František Pavlas reichten sich die Hände zur Zusammenarbeit. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Regens Landrat Dr. Ronny Raith (sitzend, li.) und der Pilsener Regionspräsident Dr. Kamal Farhan (sitzend, re.) waren die ersten Unterzeichner. Regens Kreisbrandrat Hermann Keilhofer und der Pilsener Feuerwehrgeneral František Pavlas reichten sich die Hände zur Zusammenarbeit. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Das Abkommen, das mit den Unterschriften der Beteiligten in Kraft trat, ermöglicht es nun den Feuerwehren aus Zwiesel, Bodenmais, Bayerisch Eisenstein, Lindberg, Frauenau und Langdorf, im Ernstfall in Tschechien zu helfen. Im Gegenzug stehen die Feuerwehrleute aus Železná Ruda, Hartmanice, Klatovy-Luby, Klatovy, Dlouhá Ves, Kolinec und Rejštejn sowie Einheiten des Feuerwehrrettungskorps der Region Pilsen für Hilfseinsätze auf deutscher Seite zur Verfügung.

Von tschechischer Seite unterschrieben Regionspräsident Dr. Kamal Farhan und General František Pavlas die Verträge. Da die Feuerwehr in Tschechien aus einer Mischung aus Berufs- und Freiwilliger Wehr besteht und staatlich geregelt ist, genügten hier die beiden Unterschriften. Auf deutscher Seite unterzeichneten Landrat Dr. Ronny Raith, Kreisbrandmeister Hermann Keilhofer sowie die Bürgermeister Karl-Heinz Eppinger (Zwiesel), Gerd Lorenz (Lindberg), Michael Englram (Langdorf), Michael Adam (Bodenmais), Michael Herzog (Bayerisch Eisenstein) und Frauenaus zweiter Bürgermeister Patrick Zens.

Nach der Unterzeichnung wurde das historische Abkommen auf dem Feuerwehrfest der Bayerisch Eisensteiner Wehr gefeiert. Die heimische Freiwillige Feuerwehr feierte ihr 150-jähriges Bestehen und nun auch das Recht, den Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze zu Hilfe zu kommen.

Meldung vom: 09.06.2026