Viele Argumente für ein zentrales Krankenhaus

Viele Fürsprecher für den Neubau, aber: Finanzierung ist nicht geklärt

Herbert Polke (v.li.), Karin Maria Brunnbauer, Johannes Kronschnabl und Franz Obermeier sprachen über die Bürgerbeteiligung im Bürgerdialog. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Herbert Polke (v.li.), Karin Maria Brunnbauer, Johannes Kronschnabl und Franz Obermeier sprachen über die Bürgerbeteiligung im Bürgerdialog. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Regen. Die Zukunft der Krankenhausversorgung beschäftigte die Kreisräte in einer Sondersitzung des Kreistages, zu der Landrat Dr. Ronny Raith in die Realschule Regen eingeladen hatte. „Heute diskutieren wir eine zentrale Zukunftsfrage für die Region“, eröffnete Raith die Sitzung mit namhaften Referenten. Dabei hatte sich mit Ministerialdirigent Herwig Heide ein Vertreter des bayerischen Gesundheitsministeriums bereit erklärt, seine Einschätzungen darzustellen.

Schmitz zeigte den Zustand der Kliniken auf

Christian Schmitz, Vorstand der Arberlandkliniken, begann mit einem Bericht über den aktuellen Zustand der Kliniken und räumte mit dem Gerücht auf, dass das Haus Zwiesel gut erhalten ist. „Die Arberlandklinik Zwiesel wird in drei Jahren 100 Jahre alt“, sagte er. Die letzte Sanierung fand zwischen 1984 und 2004 statt, und der Zustand ist inzwischen so schlecht, dass eine weitere Sanierung nicht infrage kommt. Ein Neubau ist nötig, um den Standort Zwiesel zu erhalten. In Viechtach läuft der vierte Bauabschnitt einer 13-jährigen Sanierung, die 2030 enden soll. „Ein zentraler Neubau würde die Bauarbeiten minimieren“, betonte Schmitz. Da ein zentrales Krankenhaus frühestens 2038 betriebsbereit wäre, bliebe die Arberlandklinik in Viechtach noch mindestens zwölf Jahre in Betrieb. Schmitz wies für das laufende Jahr auf ein erwartetes Defizit von 4,1 Millionen Euro hin und warnte, dass neue gesetzliche Regelungen ab 2027 zu Leistungskürzungen und höheren Defiziten führen werden.

Gutachter spricht sich für Zentralhaus aus

Professor Boris Augurzky stellte das Strukturgutachten vor. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Professor Boris Augurzky stellte das Strukturgutachten vor. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Professor Boris Augurzky vom hcb Institute for Health Care Business erläuterte das Strukturgutachten. „Das Ziel ist eine Strategie zur Erhaltung und Stärkung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum“, erklärte er. Augurzky zeigte, dass das Einzugsgebiet der Kliniken über die Landkreisgrenzen hinausreicht und sie jährlich über 15000 Fälle in 332 Betten behandeln. Schnell habe sich in den Planungen gezeigt, dass es drei Szenarien geben kann. Diese stellte er vor: Erhalt beider Standorte, Neubau einer Zentralklinik und Ausbau in Viechtach. Ein Zentralhaus würde die Erreichbarkeit verbessern, gesetzliche Vorgaben erfüllen und von der Mehrheit akzeptiert werden. Es könnte auch Gewinne erwirtschaften. Die größte Herausforderung sieht Augurzky in der Finanzierung, da der Landkreiseigenanteil bis zu 160 Millionen Euro betragen könnte. Der Erhalt des Status quo könnte den Landkreis bis zu 280 Millionen Euro kosten. Augurzky sprach sich klar für den Bau eines Zentralhauses aus, das auch das Leistungsspektrum verbessern könnte.

Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt der Kliniken

Richard Obermeier sprach über die Petition zum Erhalt der beiden Arberlandkliniken. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Richard Obermeier sprach über die Petition zum Erhalt der beiden Arberlandkliniken. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Richard Obermeier startete eine Onlinepetition für den Erhalt beider Standorte, die rund 10000 Unterschriften erhielt. Er stellte die Petition vor und argumentierte: „Zwei Kliniken bieten die beste Versorgung.“ Landrat Dr. Raith dankte Obermeier für seinen Einsatz und betonte die Wichtigkeit ausgewogener Informationen für die Entscheidung der Kreisräte am Jahresende.

Auch Bürgerdialogteilnehmer für Zentralhaus

Mit Karin Maria Brunnbauer, Johannes Kronschnabl, Herbert Polke und Franz Obermeier waren vier Vertreter des Bürgerdialoges zur Kreistagssitzung gekommen. Sie berichteten über den Dialog. 3006 zufällig ausgewählte Personen wurden eingeladen teilzunehmen, 167 hatten sich zur Teilnahme bereit erklärt. Die Mehrheit der 60 Teilnehmer sieht den Erhalt beider Kliniken als nicht zukunftsfähig an, aufgrund von Personalengpässen und baulichen Einschränkungen. Die Schwerpunktbildung in Viechtach wurde ebenfalls kritisch gesehen. Ein Zentralklinikum gilt als zukunftsfähigste Lösung, vorausgesetzt, es gibt ausreichende staatliche Fördermittel und gesicherte Erreichbarkeit.

Ministerialdirigent argumentiert ebenfalls für Zentralhaus

Ministerialdirigent Herwig Heide machte Mut, einen Zentralbau anzugehen. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Ministerialdirigent Herwig Heide machte Mut, einen Zentralbau anzugehen. Foto: Heiko Langer / Landratsamt Regen

Mit Ministerialdirigent Herwig Heide übernahm ein Experte aus dem bayerischen Gesundheitsministerium den letzten Part. Er ging in seinem Vortrag auf den Bestand ein, zeigte die Möglichkeiten auf und machte letztendlich Mut, einen Neubau anzugehen. Den Erhalt beider Häuser sah er skeptisch, zumal auch in Zwiesel ein Neubau notwendig sei. Der müsse von der Regierung genehmigt werden. Dabei werde geprüft, was am Ort tatsächlich notwendig ist. Dies könnte zu drastischen Kürzungen bei den Leistungen in Zwiesel führen, was zudem nicht automatisch bedeute, dass die in Zwiesel weggekürzten Leistungen dann in Viechtach erbracht werden dürften. Er stellte auch heraus, dass gegen eine Schwerpunktbildung in Viechtac die Versorgung der Notfälle im Zwieseler Raum spreche. Patienten, bei denen es um jede Minute geht, mit Herzinfarkt oder Schlaganfall seien hier – insbesondere aus dem Zwieseler Winkel – besonders benachteiligt. Er zeigte Verständnis für die finanzielle Lage, appellierte aber dafür, dass man sich mit Blick auf die Qualität der Versorgung für ein Zentralhaus aussprechen sollte.

In der Diskussion im Kreistag zeichnete sich noch kein klares Meinungsbild ab. Landrat Raith betonte, dass weitere Diskussionen nötig seien. Der nächste Schritt ist die Suche nach geeigneten Grundstücken für einen Neubau und die Prüfung von Erweiterungsmöglichkeiten in Viechtach. Bis zum 24. November sollen alle Informationen und genauere Kostenschätzungen vorliegen, bevor der Kreistag über die Klinikenzukunft entscheidet.

„Ein wichtiger Entscheidungsgrund werden die Finanzen sein“, stellte Landrat Dr. Ronny Raith abschließend fest. Man müsse auch sehen, was sich der Landkreis leisten kann, so der Landrat weiter. Er persönlich würde sich wünschen, dass der Freistaat dem Landkreis hier nicht nur fachlich und moralisch, sondern auch finanziell unterstützt.

 

Meldung vom: 12.06.2026