Landrat Dr. Ronny Raith verleiht Diakon i. R. Sepp Schlecht die Landkreismedaille

Landrat Dr. Ronny Raith (rechts) überreicht Diakon i. R. Sepp Schlecht die Landkreismedaille – als Anerkennung für jahrzehntelanges Engagement und den Aufbau des Hungermarsches als feste Größe der regionalen Solidaritätsarbeit. Foto: Michael Süß.
Viechtach/Arnbruck. Beim 30. Hungermarsch für Solidarität in Viechtach wurde der pensionierte Diakon Sepp Schlecht mit der Landkreismedaille ausgezeichnet. Landrat Dr. Ronny Raith fand persönliche Worte und machte deutlich, wie prägend das Engagement des 66-Jährigen ist: „Ohne ihn wäre vieles nicht entstanden, was heute selbstverständlich erscheint.“
Fast vier Jahrzehnte stand der gebürtige Oberpfälzer im kirchlichen Dienst, zuletzt in der Pfarreiengemeinschaft Bodenmais-Böbrach-Bayerisch Eisenstein. Er setzte nicht auf einzelne Aktionen, sondern auf das, was Bestand hat. Der Hungermarsch ist das sichtbarste Beispiel: 1997 von Schlecht initiiert, ist er über die Jahre auf mehr als 20 Pfarreien aus dem gesamten Dekanat angewachsen und zieht regelmäßig mehrere Hundert Teilnehmer an. Die Spendenerlöse liegen im vierstelligen Bereich, teils deutlich höher, und unterstützen konkrete Projekte in Ländern wie Ghana, Burkina Faso und Brasilien. „Aus einer Idee hat er eine Bewegung gemacht“, betonte der Landrat, „und vor allem eine Struktur geschaffen, die trägt.“
Während dieses große Bild wuchs, lief im Hintergrund das, was oft weniger sichtbar ist: fast 100 Trauungen, unzählige Gespräche und Besuche bei Kranken, Senioren und Geflüchteten. Gleichzeitig führte Schlecht die Kirche bewusst aus dem gewohnten Rahmen heraus in den Alltag der Menschen: Wallfahrten nach Maria Brettfall, Ausflüge ins Erzgebirge oder ins Elsass, Abende wie „Kirche – Wirtshaus – Musik“ verbanden Menschen ohne Schwelle, ohne große Inszenierung. Hinzu kamen Einsätze in der Notfallseelsorge im Landkreis Regen gemeinsam mit Rettungskräften und psychosozialen Diensten. Was sich durchzog: Schlecht schuf Verbindung – zwischen Kirche und Gesellschaft, zwischen der Region und der Welt, zwischen Menschen. Im Dekanat Viechtach baute er dafür ein tragfähiges Netzwerk auf. Für den Landrat ist klar: Hier wurde nicht nur organisiert, sondern zusammengeführt.
Und der kürzlich angetretene Ruhestand? Schlecht selbst würde das vermutlich anders formulieren. Der Landrat tat es mit einem Augenzwinkern: Von einem wirklichen Aufhören könne wohl keine Rede sein – eher von einem „Unruhestand“. Oder, wie Raith es auf den Punkt brachte: „Wer so arbeitet, hört nicht auf, der macht nur anders weiter.“