Zwischen Wut, Widerstand und Wachstum

Gemeinsam für starke Kitas: Die Organisatorinnen und Organisatoren der Fachtagung – (v. li.) Frederik Fauser (Abteilungsleiter Jugendamt), Sabrina Niedermeier und Stefanie Graßl (Fachaufsichten für Kitas), Sandra Holzer (Fachberatung Kita), Selina Altmann (Förderung Kindertagespflege), Nicole Ernst (Fachberatung Kita und Tagespflege) und Irmgard Weikl (Stellvertretende Jugendamtsleitung) mit Referent Prof. Dr. Jörg Maywald (3. v. re.) und dem stellvertretenden Landrat Helmut Plenk (re). Foto: Miriam Lange / Landratsamt Regen.

250 Fachkräfte beraten zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Kindern

Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – überwiegend Fachpersonal aus Kindertageseinrichtungen, aber auch Kindertagespflegepersonen, Mitarbeiter von Beratungsangeboten und Frühförderdiensten sowie weitere Netzwerkpartner. Foto: Miriam Lange / Landratsamt Regen.

Bayerisch Eisenstein. Volles Haus und ein Thema, das den pädagogischen Alltag vieler Einrichtungen prägt: Rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – überwiegend Fachpersonal aus Kindertageseinrichtungen, aber auch Kindertagespflegepersonen, Mitarbeiter von Beratungsangeboten und Frühförderdiensten sowie weitere Netzwerkpartner – sind der Einladung des Kreisjugendamts Regen in die Arberlandhalle gefolgt. Im Zentrum der ganztägigen Fachtagung stand der professionelle Umgang mit sogenannten Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern, ein Feld, das komplex ist und zugleich immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Schon in der Begrüßung machten die Fachberaterinnen Nicole Ernst und Sandra Holzer deutlich, worum es dem Kreisjugendamt geht: Fachkräfte stärken, Austausch ermöglichen und gemeinsam Antworten auf Herausforderungen finden, die längst zum Alltag gehören. Unterstützung aus dem Haus signalisierte auch die Führungsebene. Neben Abteilungsleiter Frederick Fauser, der sich bis zuletzt aktiv in Diskussionen einbrachte, begleiteten auch die stellvertretende Jugendamtsleitung Irmgard Weikl sowie das Team der Kindertagesbetreuung die Tagung fachlich.

In seinem Grußwort würdigte der stellvertretende Landrat Helmut Plenk das Engagement der Anwesenden und ordnete das Thema gesellschaftlich ein. „Kinder sind wunderbar und manchmal herausfordernd. Umso wichtiger ist es, ihre Signale richtig zu verstehen und professionell zu reagieren. Genau dafür brauchen unsere Fachkräfte Rückenwind, Austausch und fundiertes Wissen.“ Der Landkreis sehe es als Auftrag, die Qualität frühkindlicher Bildung weiterzuentwickeln und die Fachkräfte in ihrer verantwortungsvollen Arbeit bestmöglich zu unterstützen.

Für die inhaltlichen Impulse sorgte Prof. Dr. Jörg Maywald, Soziologe, Psychologe und Pädagoge sowie langjähriger Experte im Bereich Kinderschutz und Kinderrechte. Seine zentrale Botschaft fiel differenziert aus: Studien zeigen, dass etwa jedes fünfte Kind psychisch belastet ist. Während der Corona-Pandemie stieg dieser Anteil deutlich, inzwischen geht er wieder leicht zurück. Entscheidend ist für Maywald weniger die Zahl als der Umgang damit im Alltag. Er plädierte für einen genauen Blick. Nicht jedes anstrengende Verhalten ist automatisch auffällig. Erst wenn Intensität und Dauer dazu führen, dass Kinder ihre Entwicklungsaufgaben nicht bewältigen können, entsteht Handlungsbedarf. Gleichzeitig verwies er auf veränderte Lebensrealitäten. Familien stehen unter höherem Druck, Lebensmodelle sind vielfältiger geworden, Kinder wachsen oft selbstbewusster auf, ohne dass sie automatisch sozial gefestigter sind.

Besonderes Augenmerk galt den unterschiedlichen Erscheinungsformen. Neben lautem, aggressivem Verhalten rücken auch stille Auffälligkeiten wie Ängste oder Rückzug in den Fokus, die leicht übersehen werden. „Nicht alles, was nervt, ist verhaltensauffällig“, brachte es Maywald auf den Punkt.

Am Nachmittag wurde es praktisch: In Gruppen arbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an konkreten Fallbeispielen aus dem Alltag. Es ging um eskalierende Konflikte im Spiel, um überfordernde Situationen und um Grenzverletzungen unter Kindern. Die Fachkräfte sammelten Beobachtungen, entwickelten Hypothesen und leiteten daraus Handlungsschritte ab. Im Mittelpunkt stand dabei stets die Frage, wie Verhalten verstanden und professionell begleitet werden kann.

Deutlich wurde, wie viel Abstimmung und Klarheit es im Alltag braucht. Feste Regeln, konsequentes Handeln und transparente Kommunikation mit Eltern spielen ebenso eine Rolle wie funktionierende Schutzkonzepte und der Rückhalt im Team. Die Fachtagung bot dafür nicht nur fachlichen Input, sondern vor allem Raum für Austausch und Vernetzung. Ein Angebot, das sichtbar angenommen wurde und den Landkreis in seiner Rolle als unterstützender Partner für die frühkindliche Bildung stärkt.

Meldung vom: 05.05.2026